Wasser und Gewässer im Naturhaushalt

Als Wasserwirtschaftsverband fühlt sich der Ruhrverband in besonderem Maße dem Ressourcenschutz, dem Naturschutz und der Landschaftspflege verbunden und verpflichtet. Durch die Zielvorgabe des „guten chemischen und guten ökologischen Zustands“ für die Oberflächengewässer, die durch die Europäische Wasserrahmenrichtlinie (EG-WRRL) eingeführt wurde und mittlerweile auf nationaler und regionaler Ebene umgesetzt wird, kommt zum Ausdruck, dass Wasserwirtschaft mittlerweile nicht nur nutzungsbezogen ausgerichtet ist, sondern auch einer nachhaltigen Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen dient (Flussgebietsmanagement). Somit sind auch Aspekte der Biodiversität, des Natur- und Artenschutzes und der ökosystemaren Funktionen von Belang, da Gewässer im Naturhaushalt eine zentrale Rolle einnehmen. Der Ruhrverband setzt entsprechende Maßnahmen mit dem gesetzlichen Ziel eines „guten ökologischen Zustands“ an den Gewässerabschnitten mit eigener Unterhaltungspflicht um. Als Beispiele hierfür können die Wiederherstellung der Durchgängigkeit der Brabecke im Beileitungssystem der Hennetalsperre zur ökologischen Vernetzung von Gewässerabschnitten und die Renaturierung der Kleinen Henne im Einzugsgebiet der Hennetalsperre (Hennetalsperre) genannt werden. Dabei stellt die hydraulische Leistungsfähigkeit von Gewässern mit Wassermengenbewirtschaftung häufig eine besondere Herausforderung dar. Gilt es doch, durch gezielte Einstellung des Abflusses im Rahmen der Talsperrenbewirtschaftung (Talsperrensteuerung) das Wasserdargebot im Gesamtsystem für die jeweiligen Nutzungen – insbesondere die Trink- und Brauchwassergewinnung im Unterlauf der Ruhr – sicherzustellen. Dabei wird zwangsläufig von den natürlichen Abflussverhältnissen abgewichen. Dabei wird zwangsläufig von den natürlichen Abflussverhältnissen abgewichen, wodurch Auswirkungen auf die Zönosen des Gewässers nicht ausgeschlossen sind. Der Ruhrverband ist aber nicht allein an Gewässerstrecken in eigener Unterhaltung aktiv, sondern unterstützt auch seine Mitglieder bei Planung und Umsetzung von Maßnahmen – von der fachlichen Beratung über die Projektabwicklung bis hin zur Entwicklung eines Gesamtkonzepts für Gewässersysteme. Beispielhaft hervorzuheben sind Projekte wie die Renaturierung des Sprockhöveler Bachs in mehreren Bauabschnitten im Auftrag der Stadt Sprockhövel, die Renaturierung von Unterer Sorpe und Röhr in Kooperation mit der Stadt Sundern sowie die Aktivitäten der Stadt Hattingen am Paasbach. Neben Projekten zur Gewässerentwicklung wird als Angebot an die kommunalen Mitglieder auch die Übernahme der Gewässerunterhaltung als Kooperationsmodell für Gewässersysteme oder -strecken angestrebt. Damit lassen sich Synergien der Siedlungsentwässerung und Wasserwirtschaft mit Stadt- und Landschaftsentwicklung, Hochwasserschutz und Naturschutz effizient nutzen.

Die Landschafts- und die Gewässergestaltung (Gewässerentwicklung, -renaturierung, -vitalisierung) dient insbesondere auch der Etablierung und Förderung von Habitaten für die typgerechte Flora und Fauna in und an den Gewässern. Eine hohe, standortgerechte Biodiversität hat zentrale Bedeutung für die Stabilität von Ökosystemen und den Erhalt der Gewässer als natürlichen Ressourcenschatz. Dies wird unterstützt durch die Bewirtschaftung von rund 3.100 ha Waldflächen des Ruhrverbands im Einzugsgebiet seiner Talsperren (Forstwirtschaft) sowie die Fischwirtschaft zur Erhaltung und Hege eines artenreichen heimischen Fischbestands in den Talsperren (Fischwirtschaft). Forstwirtschaft und Fischwirtschaft an den Talsperren des Ruhrverbands machen deutlich, dass die Integration ökologischer Zusammenhänge in das wasserwirtschaftliche Handlungsfeld eine ertragreiche, attraktive sowie für alle Belange sinnvolle und zielführende Herangehensweise ist.