Die Ruhr, Namensgeberin für einen der größten Ballungsräume Europas, ist ein vergleichsweise kleiner Fluss. Trotzdem ist sie in der Lage, eine große Aufgabe zu erfüllen: nämlich eine Region mit mehr als fünf Millionen Menschen mit ausreichendem und sauberem Wasser zu versorgen.
Das war nicht immer so: Seit Beginn der Industrialisierung war die Ruhr immer mehr zum Spielball widerstreitender Interessen geworden. Kraft- und Triebwerksbesitzer benötigten die Wasserkraft des Flusses zum Antrieb ihrer Turbinen. Wasserwerksbesitzer zapften aus dem Fluss Trinkwasser ab und exportierten es zu allem Überfluss in die Einzugsgebiete anderer Flüsse, die als Trinkwasserspender nicht geeignet waren. Und die ständig wachsende Bevölkerung sowie die ständig zunehmende Industrie (miss-)brauchten den Fluss zum Abtransport des Abwassers - so, wie es die Menschen der vorindustrialisierten Zeit seit Jahrhunderten gewohnt waren. Vor allem in Trockenjahren nahm die Wasserknappheit und -verschmutzung so dramatische Ausmaße an, dass die Ruhr in ihrem Unterlauf zu einem brackigen Rinnsal wurde, das man zu Fuß durchqueren konnte.
Erst der Bau von Talsperren im niederschlagsreichen Sauerland brachte die Lösung. Talsperren speichern in abflussreichen Zeiten Wasser und geben es in Zeiten geringer natürlicher Wasserführung an den Fluss ab. Maßgeblich vorangetrieben wurde der Talsperrenbau durch den 1899 gegründeten Ruhrtalsperrenverein. Er unterstützte in der Anfangsphase den Bau kleinerer Talsperren wie etwa der Fürwiggetalsperre und der Ennepetalsperre und baute schließlich mit der Möhnetalsperre seine erste eigene Talsperre - damals die größte ihrer Art in Europa.
In der ersten Phase des Talsperrenbaus im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert wurden Talsperren durch schlanke, bogenförmige Mauern aus Bruchsteinen aufgestaut, die nach dem von dem Aachener Professor Otto Intze entwickelten Prinzip gebaut waren.
In den 1920er-Jahren setzte sich - ausgehend von Nordamerika - die Dammbauweise durch. Die Dämme wurden als geschüttete Zonendämme erstellt und erhielten einen Betonkern. In dieser Bauweise wurden die Absperrbauwerke der Sorpetalsperre und der Versetalsperre erbaut.
Die bis heute letzte Bauform der Hauptabsperrbauwerke bilden Steinschüttdämme mit doppelter Oberflächendichtung aus Asphaltbeton und integrierter Dränschicht. Eine weitere zusätzliche Innendichtung in Form einer bituminösen Bremszone im Zentrum dieser Dämme hat die Aufgabe, bei einer Beschädigung der Oberflächendichtung die den Damm durchströmende Wassermenge so stark herabzusetzen, dass am luftseitigen Dammfuß keine gefährliche Erosion auftritt. Erstmals im Ruhreinzugsgebiet zum Einsatz kam diese Bauweise beim Neubau der Hennetalsperre in den Jahren 1951 bis 1955. Auch das Hauptabsperrbauwerk der Biggetalsperre, der größten Talsperre des Ruhrverbands, wurde als geschütteter Damm mit bituminöser Oberflächendichtung errichtet.