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Realisierung von Fischaufstiegshilfen an Wehranlagen des Ruhrverbands

Schlitzpass Stiftsmühle

Die Fischaufstiegsanlage an der Wasserkraftanlage Stiftsmühle ist als sogenannter Schlitzpass ausgeführt worden. Der Schlitzpass ist eine spezielle Variante des Beckenpasses, bei der die beckenbildenden Querwände durch über die gesamte Höhe reichende, vertikale Schlitze gekennzeichnet sind. Die Gesamthöhendifferenz von rund 2,60 Metern am Standort wird stufenartig in kleine Höhensprünge von 13 Zentimetern in den Schlitzen an den Querwänden aufgelöst. Die Fische schwimmen durch die knapp 30 Zentimeter breiten Schlitze von Becken zu Becken stromauf und überwinden somit das Querbauwerk. Der Boden des Gerinnes ist mit groben Steinen bedeckt, welche die Strömungsgeschwindigkeit sohlnah reduzieren. Diese strömungsberuhigte Wasserschicht ermöglicht insbesondere schwimmschwächeren Kleinfischen und Kleinstlebewesen den Aufstieg. Um an der Stauanlage Stiftsmühle auch die Durchgängigkeit zwischen der Ausleitungsstrecke (Gewässermutterbett) und dem Oberwasser wieder herzustellen, wurde am rechten Wehrufer zudem ein naturnahes Raugerinne errichtet.

Umgehungsrinne Harkortsee

Am Harkortsee wurde die Fischaufstiegsanlage in unmittelbarer Nähe der Wasserkraftanlage errichtet, da Fische an Wasserkraftstandorten - angelockt durch die Strömung des turbinierten Wassers - nahe des Kraftwerksauslaufs nach Aufstiegsmöglichkeiten suchen. Aufgrund der örtlichen Platzverhältnisse war es möglich, die Fischaufstiegsanlage als naturnahes Umgehungsgerinne zu gestalten. Dieses besitzt sowohl beckenförmige Strukturen, die durch Steinriegel gebildet sind, als auch bachartige Abschnitte mit sehr geringem Gefälle. Mit einer Gesamtlänge von 375 Metern wird die stattliche Höhendifferenz von 7,80 Metern am Standort überwunden. Damit gehört das Umgehungsgerinne Harkortsee zu den längsten und höchsten naturnahen Fischaufstiegsbauwerken in Deutschland. In dem zwischen drei und sechs Meter breiten Gerinne fließen bis zu 700 Liter Wasser pro Sekunde; im Hochwasserfall können über eine Bypassleitung weitere 500 Liter pro Sekunde im Auslaufbereich als zusätzliche Leitströmung abgegeben werden.

Schlitzpass Hengsteysee

Seit Frühjahr 2008 ist auch am Wehr Hengsteysee auf der linken Uferseite unmittelbar neben dem vorhandenen Wasserkraftwerk eine Fischaufstiegsanlage in Betrieb. Aufgrund der engen Platzverhältnisse konnte hier allerdings kein naturnah gestalteter Fischpass realisiert werden, sondern es erfolgte die Errichtung eines technischen Bauwerks in Form eines Schlitzpasses. Dieser ist unterteilt in insgesamt 39 Becken, die jeweils eine Abmessung von 3,25 Metern Länge und zwischen 1,95 und 2,10 Metern Breite aufweisen. Drei dieser Becken sind als Ruhezonen für die aufwandernden Fische ausgebildet. Die Anlage ist auf einen Durchfluss von 570 Litern pro Sekunde ausgelegt; die hierfür erforderliche Schlitzweite beträgt je nach Wassertiefe in den Becken bis zu 45 Zentimetern. Eine besondere Herausforderung bestand in den starken Wasserspiegelschwankungen des Hengsteysees, die durch das Pumpspeicherkraftwerk Koepchenwerk verursacht werden. Um einen gleichmäßigen Abfluss im Schlitzpass zu gewährleisten, wurde eine schiebergesteuerte Wassermengenregelung mit drei Schiebern im Oberwasser installiert.
Mehr zu diesem Thema bieten wir in folgendem PDF Dokument (360 KB).

Elektrobefischung

Durch den Bau dieser drei Fischaufstiegsanlagen hat der Ruhrverband die Voraussetzungen geschaffen, dass Fische über eine Ausdehnung von rund 20 Kilometern wieder flussauf- und flussabwärts wandern können. Damit ist auch die Lenne als bedeutendstes Nebengewässer wieder erreichbar. Andernorts sind Stauanlageneigentümer ebenso bemüht, die Durchgängigkeit der Ruhr wieder herzustellen, etwa in Witten-Hohenstein und am untersten Ruhrwehr in Duisburg. Zudem wurden und werden an der oberen Ruhr im Rahmen des "Konzepts zur naturnahen Entwicklung der oberen Ruhr" zahlreiche Querbauwerke zurückgebaut oder mit Fischaufstiegsanlagen ausgestattet, um eine möglichst weiträumige Vernetzung der Fließgewässerabschnitte zu erzielen.

Neben der Errichtung der Fischaufstiegsanlagen führen die Fischwirtschaftsexperten des Ruhrverbands in Zusammenarbeit mit Dritten wie der Ruhrfischereigenossenschaft oder Angelvereinen die behördlich geforderten technischen und fischbiologischen Funktionskontrollen durch.

Fließgeschwindigkeitsmessung

Die Stabsstelle Flussgebietsmanagement ist nicht nur innerhalb des Ruhrverbands, sondern auch darüber hinaus in viele Fischaufstiegsplanungen im Ruhreinzugsgebiet involviert und unterstützt auf diesem Wege die regionalen Wasserwirtschaftsbehörden mit fachlichem Know-how.

Fischdurchgängigkeit im Flusseinzugsgebiet der Ruhr (1 MB) (PDF)

 

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