Wasserpflanzen in den Ruhrstauseen

In den letzten Jahren waren die oberen vier Ruhrstauseen Hengsteysee, Harkortsee, Kemnader See und Baldeneysee im Sommer zumeist durch ausgedehnte Wasserpflanzenbestände, vor allem von Elodea nuttallii, der sogenannten Schmalblättrigen Wasserpest, geprägt (Bild 1). Doch im Jahr 2021 war alles anders:

Zunächst traten zu Beginn des Jahres mit bis zu -16 °C ungewöhnliche niedrige Temperaturen auf und auch die Wochen danach waren kälter als in den Vorjahren. Hierdurch wurde zunächst das Anfangswachstum von Elodea verlangsamt. Als opportunistische Art konnte Elodea bei danach wieder ansteigenden Wassertemperaturen und Angleichung weiterer abiotische Faktoren wie Trübung und Temperatur an die durchschnittlichen Bedingungen im Frühjahr, den zeitlichen Verzug in der Entwicklung schnell wieder wettmachen. Auf Basis von Tauchuntersuchungen und Überprüfung der Pflanzenentwicklung mittels harken ergab sich im Mai die Prognose, dass – bis auf den Hengsteysee – wieder in den Ruhrstauseen mit ausgedehnten Pflanzenbeständen zu rechnen sein wird, die die Naherholung und Wassersportnutzung sowie die Wasserkraftgewinnung beeinträchtigen werden. Damit wurde auch der Einsatz der beiden ruhrverbandseigenen Mähboote eingeplant und vorbereitet.

Der Hengsteysee zeigte sich in diesem Frühjahr, anders als die anderen Ruhrstauseen nur sporadisch und niederwüchsig mit Elodea bewachsen, ähnlich der Situationen in den Jahren 2018 und 2019. Warum der Hengsteysee in den Jahren davor und auch im Jahr 2020 deutlich verkrautet war, in den genannten Jahren jedoch nicht, ist trotz unserer weitergehenden Untersuchungen immer noch unklar.

Vom 14. bis 15. Juli verursachte das Tief Bernd vor allem in Nordrhein-Westfalen durch langandauernden Starkregen extrem ansteigende Abflüsse in Bächen und Flüssen und verursachte hierdurch vielerorts Überschwemmungen. Auch das Ruhreinzugsgebiet war hiervon betroffen. Bild 2 zeigt bespielhaft die Überschwemmungssituation in Wetter unterhalb des Harkortsees. Durch das Hochwasser trat aber nicht nur das Wasser an vielen Stellen über die Ufer, sondern auch die Fließgeschwindigkeiten nahmen drastisch zu. Bild 3 zeigt exemplarisch das Fließgeschwindigkeitsprofil der Ruhr in einem tiefen, rückgestauten Bereich der Ruhr, in dem normalerweise die Strömung eher gering ist. Während des Hochwassers traten aber in diesem Bereich mit über 3 m/s so hohe Fließgeschwindigkeiten auf, dass diese technisch nicht mehr im Detail messbar waren.

Die Kraft der schnell strömenden Wassermassen der Ruhr rissen im Bereich zwischen den Ruhrstauseen nicht nur Bäume und Sträucher an den Ufern und in den Überschwemmungsbereichen auch Fahrzeuge und Gebäudeteile mit sich, sondern verlagerten auch die Gewässersohle. Für die nach der Flut notwendigen Aufräumarbeiten mussten die Ruhrstauseen, in denen sich vor allem das Treibgut sammelte, für die Wassersport- und Freizeitnutzung zeitweise gesperrt werden.

Das Hochwasser wirkte sich ebenfalls auf die sich entwickelnden Wasserpflanzenbestände aus. Diese waren zum Zeitpunkt des Hochwassers noch in der Phase des Streckungswachstums und hatten nur kleinräumig in flachen Bereichen die Oberfläche schon erreicht. Durch das Hochwasser wurde die Gewässersohle zum Teil völlig umgelagert und die Wasserpflanzen komplett ausgespült, mit z.T. nur noch einzelnen verbliebenen Stängeln (Bild 4). In anderen Bereichen hatte die Strömung die oberen Teile der dicht stehenden Pflanzen abgerissen – nicht nur von Elodea sondern sogar die langen bandförmigen Blätter des Igelkolbens, die als besonders reißfest gelten. In weiteren Bereichen hatte die Strömung die bereits hochwüchsigen Elodea-Bestände auf den Grund gedrückt, wo sie von den umgelagerten Feinsedimenten übersandet wurden (Bild 5).

Auch auf das Forschungsprojekt Elodea II, in dem verschiede Maßnahmen zur nachhaltigen Reduzierung der Elodea-Bestände getestet werden, hatte das Hochwasser negative Auswirkung. Die erfolgversprechendste Maßnahme: das Anpflanzen von standortgerechten niederwüchsigen Wasserpflanzen (Characeen, d.h. Armleuchteralgen) in Testfeldern, die als Raumkonkurrenten und durch zusätzliche Beschattung Elodea zurückdrängen sollen, wurde hierdurch völlig zerstört. Zum Teil konnten sogar die Markierungen der Testfelder nicht mehr aufgefunden werden. Eine Kontrolle der ehemalig bepflanzten Bereiche auf Basis geographischer Koordinaten erbrachten das ernüchternde Ergebnisse, dass keine der ausgepflanzten Armleuchteralgen mehr wiedergefunden werden konnte.  

Weitere Tauchuntersuchungen Mitte August, rund einen Monat nach diesem extremen Hochwasserereignis, zeigten, dass sich die Elodea-Bestände noch in keiner Weise von ihren Schäden erholt hatten. Die auf den Grund gedrückten, übersandeten Elodea-Polster zeigten nur erste Knospen eines neuen Austriebs, die freigespülten Bereiche waren weiterhin vegetationsfrei. Auf Grund dieser Situation ist eine kurzfristige Neuverkrautung auszuschließen, so dass auch der Einsatz der Mähboote im Jahr 2021 entfallen kann. Damit wurde im Jahr 2021 die Wassersportsaison zwar durch die Corona-Pandemie und das Hochwasser mit der nachfolgenden Aufräumaktion beeinträchtigt – eine Verkrautung mit Elodea spielte in diesem Jahr aber keine relevante Rolle.

Weiterführende Informationen: