Wasserpflanzen in den Ruhrstauseen

Die Situation der Wasserpflanzen in den Ruhrstauseen stellte sich in der Wassersportsaison 2019 – mit Ausnahme des Kemnader Sees – weitgehend unkritisch dar. Der Grund für das geringere und verzögerte Wachstum der Pflanzen waren wahrscheinlich drei kleinere Hochwasserereignisse im ersten Quartal 2019 (Mitte Januar, Mitte Februar und Mitte März), die zu einer Umlagerung und Überdeckung vorhandener Pflanzenbestände geführt haben. Andere abiotische Faktoren wie Trübung und Temperatur waren im relevanten Zeitraum März/April vergleichbar mit den Vorjahren.

Nur der Kemnader See war bereits frühzeitig so verkrautet, dass das Mähboot des Ruhrverbands am 24. Juni seine Arbeit aufnahm. Aber auch hier konnte bereits nach acht Wochen am 8. August die Mahd eingestellt werden, da keine geeigneten Bereiche zum Abmähen mehr vorhanden waren.

Im Hengsteysee sind außer lokal in schmalen Uferbereichen und in der Bucht unterhalb der Lennemündung kaum Bestände der bei Wassersportlern besonders unbeliebten Elodea vorhanden – und wenn, dann nur niederwüchsig und in geringen Dichten. Damit ist die Situation vergleichbar mit dem Vorjahr, in dem erstmals seit 20 Jahren keine zusammenhängenden Wasserpflanzenbestände zu beobachten waren.

Ein deutlich verzögerter Start des Elodeawachstums war 2019 im Harkortsee zu beobachten: Hier haben erst Anfang August die ersten Pflanzen die Wasseroberfläche erreicht, so dass die Voraussetzungen für den Wassersport deutlich besser waren als in den Vorjahren. Optisch auffällig waren auf diesem See die treibenden Polster fädiger Grünalgen.

Im Baldeneysee konnte im Vorjahr nur durch den Einsatz von zwei Mähbooten, die teilweise in Doppelschichten fuhren, eine Beeinträchtigung des Wassersports verhindert werden. Insgesamt wurden dabei 762 Tonnen Wasserpflanzen – die höchste bis jetzt erfasste Mähgutmenge eines Jahres – aus dem Baldeneysee entnommen. In der aktuellen Saison 2019 waren hingegen nur im Bereich des Stauseebogens sowie (klein und inselhaft) im Bereich des Hafen Scheppen zusammenhängende Elodeabestände zu beobachten. Diese hatten aber bis Mitte August noch nicht flächig die Wasseroberfläche erreicht. Ab dem 12. August hat das Ruhrverbandsmähboot Nimmersatt trotzdem seine Arbeit aufgenommen, um in erster Linie die Bestände im Bereich des Stauseebogens zu reduzieren. Die Schiffsführung des Mähboots erfolgt durch die Weiße Flotte Baldeney unterstützt durch die Essener Arbeits- und Beschäftigungsgesellschaft.

Da die Mahd jedoch nicht zu einem dauerhaften Rückgang der Elodea führt, testet der Ruhrverband seit Herbst 2018 im Rahmen eines Forschungsprojektes im Baldeneysee verschiedene Maßnahmen zu deren nachhaltigen Begrenzung. Eine der Maßnahmen ist die Anpflanzung von standortgerechten niederwüchsigen Wasserpflanzen (Characeen, d.h. Armleuchteralgen) auf Testflächen, die als Raumkonkurrenten und durch zusätzliche Beschattung Elodea zurückdrängen sollen. Diese Maßnahme zeigt erste positive Ergebnisse: die unter Wasser gepflanzten Characeen haben den Winter und auch die Frühjahrshochwässer überdauert und breiten sich sogar schon langsam etwas aus. Die weitere Bestandsentwicklung wird durch ein Unterwassermonitoring verfolgt.

Als weitere Maßnahme wird seit Mitte August ein Rollenpflücker getestet. Hierbei handelt es sich um den Prototyp eines Bootes, dass mittels Rollen Wasserpflanzen ergreift und langsam mitsamt der Wurzeln aus dem Sediment herauszieht soll. Die Wirkungsweise im Baldeneysee wird mittels Monitoring geprüft; erste Ergebnisse zeigen noch keine nachhaltigen Effekte.

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