Aktualisierung der Verzehrempfehlung des NRW-Umweltministeriums für Wildfische aus Möhne und Ruhr

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat auf Basis epidemiologischer Studien (Beobachtungsstudien am Menschen unter realen Umweltbedingungen) neue tolerierbare wöchentliche Aufnahmemengen (TWI) für die Verbindungen Perfluoroktansulfonsäure (PFOS) und Perfluoroktansäure (PFOA) abgeleitet. Die Verbindungen gehören zur Gruppe der Perfluorierten Tenside (PFT).  

Die neuen, allerdings noch vorläufigen TWI betragen für PFOS 13 Nanogramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Woche und für PFOA 6 Nanogramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Woche. Dies bedeutet im Vergleich zu den bisherigen tolerierbaren Aufnahmemengen aus dem Jahr 2008 eine Reduzierung um den Faktor 80 für PFOS bzw. 1.875 für PFOA.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist zwar in seiner Stellungnahme (Nr. 032/2019) auf die Unsicherheiten in der Bewertung hin, empfiehlt jedoch, die TWI-Werte zur Risikobeurteilung von Lebensmitteln trotzdem heranzuziehen. Nach Einschätzung des BfR bedeuten kurzfristig erhöhte Aufnahmemengen, die im Bereich der TWI-Werte liegen, nicht zwangsläufig, dass gesundheitsgefährdende Konzentrationen im Blut vorliegen. Aufgrund der bestehenden Unsicherheiten wird die EFSA im Rahmen eines derzeit laufenden Bewertungsverfahren PFOS und PFOA erneut begutachten.

Im Sinne des vorbeugenden Verbraucherschutzes hat das nordrhein-westfälische Umweltministerium auf Basis der vorliegenden Erkenntnisse nun eine Aktualisierung der im Jahr 2006 veröffentlichten Verzehrempfehlungen vorgenommen (www.lanuv.nrw.de/umwelt/gefahrstoffe/pfc/pfc-in-lebensmitteln-und-fischen). Zur Neubewertung wurden PFT-Messwerte von Fischen aus dem Jahr 2015 herangezogen (https://www.elwasweb.nrw.de/elwas-hygrisc/gues/pft_fisch.php?exhibit-use-local-resources).

Perfluorierte Tenside (PFT) sind Stoffe, die eine hohe Beständigkeit gegenüber chemisch-physikalischem und biologischem Abbau besitzen und daher sehr lange in der Umwelt verbleiben. Sie sind daher nicht nur in Gewässern, sondern auch in den darin lebenden Organismen nachweisbar. Durch die umfangreichen Maßnahmen in der Vergangenheit haben die PFT-Konzentrationen in unseren Gewässern und in den Fischen deutlich abgenommen. Die noch messbare geringe Grundbelastung von PFOS und PFOA, ist für die Trink- und Badewasser-Qualität der Ruhr unbedenklich. Um diese rückläufigen Konzentrationen in der künftigen Bewertung angemessen zu berücksichtigen, werden die zuständigen Behörden im Jahr 2020 kurzfristig neue Fischuntersuchungen vornehmen lassen. In Abhängigkeit von den Ergebnissen wird die derzeitige Verzehrempfehlung eventuell erneut aktualisiert und ist bis dahin als vorläufig zu betrachten.

Um dem in der vorstehenden Beschreibung dargestellten geringen Risiko, das mit dem Verzehr von Wildfischen aus Möhne und Ruhr verbunden sein kann, angemessen zu begegnen, bietet der Ruhrverband die Rücknahme aller bis zum 19.02.2020 erworbenen Angelscheine und Bootsplaketten für die Möhnetalsperre an. Diese Storno-Frist endet am 20.03.2020. Nähere Informationen unter www.angeln-im-sauerland.de/aktuell/aktuelle-info/.

 

Verzehrempfehlungen für das Ruhreinzugsgebiet

Gewässer

Messstelle

Empfohlener max. Fischverzehr
(300g je Mahlzeit)

Möhne oberhalb des Möhnesees

Möhne/Meisterwald
Möhne/Sichtigvor

4 x pro Jahr
26 x pro Jahr
Möhne unterhalb des Möhnesees
und Möhnesee
Möhnetalsperre
Möhne/Wasserwerk
2 x pro Jahr
8 x pro Jahr
Untere Ruhr/Baldeneysee

Pegel/Bachum (R26)
Baldeneysee
Ruhr (R68)

11 x pro Jahr
7 x pro Jahr
5 x pro Jahr

Die Empfehlungen basieren auf Messdaten aus 2015 und dem vorläufigen TWI-Wert der EFSA (2018) in Höhe von 13 ng/kg Körpergewicht. Aus Vorsorgegründen wurde das 95. Perzentil der untersuchten Fische als Berechnungsgrundlage für die maximale Fischverzehrmenge herangezogen. Das 95. Perzentil bezeichnet den Wert, oberhalb dessen nur 5 Prozent der untersuchten Fische höhere PFOS Belastungen aufweisen, d.h. 95% der untersuchten Fische weisen geringere (oder gleich hohe) PFOS Belastungen auf.