Abfallbilanz 2017

Abfallbilanz 2017 gemäß § 5 Abs. 8 LAbfG

1. Einleitung

Die Abfallbilanz beinhaltet Art, Menge und Verbleib der angefallenen und entsorgten Abfälle einschließlich deren Verwertung. Sie muss jährlich für das vorangegangene Jahr erstellt und in geeigneter Weise der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Sie ist auf Verlangen den zuständigen Abfallwirtschaftsbehörden vorzulegen. Soweit Abfälle nicht verwertet werden, ist dieses zu begründen.

Der Ruhrverband ist gemäß § 5 Abs. 8 LAbfG der für die Entsorgung der bei der Abwasserreinigung anfallenden Klärschlämme und sonstigen festen Stoffe zuständige öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger.

Entsprechend § 21 des Kreislaufwirtschaftsgesetzes in Verbindung mit dem Abfallgesetz für das Land Nordrhein-Westfalen (§ 5c LAbfG) sind die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger zur Erstellung und zur Veröffentlichung von Abfallbilanzen verpflichtet. Diese wird hiermit für das Jahr 2017 vorgelegt.

In den Verbandsanlagen (Kläranlagen, Entwässerungsanlagen, Niederschlagswasser-behandlungsanlagen, Pumpwerke, Stauseen und Talsperren) fallen folgende, vom Ruhrverband zu entsorgende Abfallarten an:

 

AbfallartAbfallschlüssel
Klärschlamm19 08 05
Rechengut19 08 01
Sandfanggut19 08 02
Wasserpflanzen Treib- und Mähgut02 01 03
Treibgut19 09 01
Flusssedimente17 05 06
Kanalspülgut19 08 01

 

 

Die Angaben über Art, Menge und Verbleib der angefallenen und entsorgten Abfälle sind in der zusammenfassenden Abbildung "Abfallbilanz 2017" dargestellt (Anlage 1).

Der Hauptanteil der regelmäßig zu entsorgenden Reststoffe fällt bei der Reinigung der den Ruhrverbandskläranlagen zugeleiteten Abwässer von Kommunen und Industrie an. Dazu zählt insbesondere Klärschlamm.

Der überwiegende Teil des Klärschlamms wird durch Faulung stabilisiert. Das dabei entstehende Faulgas wird in großen Teilen für Betriebszwecke, insbesondere das Aufwärmen des Rohschlamms für den Faulprozess, aber auch für die Heizung der Betriebsgebäude und

zur Erzeugung elektrischer Energie bzw. von Druckluft für die Belebungsbecken eingesetzt. Damit wird der unter den jeweiligen anlagenspezifischen Randbedingungen wirtschaftlich nutzbare Energiegehalt der Klärschlämme verwertet.

2. Einwohnerwerte

Die Berechnungen der spezifischen Massen für Rohschlamm, Sandfang- und Rechengut basieren auf dem Einwohnerwert EWCSB120 von 2.323.050 des Jahres 2017.

 

 

 

 

 

 

 

In 2017 ist ein geringfügiger Anstieg der Einwohnerzahl (E) und ein geringfügiger Rückgang der Einwohnergleichwerte (EGW) eingetreten. Die Gesamtabnahme der Einwohnerwerte beträgt seit 2007 212.087 EW. Dies entspricht einer mittleren Abnahme von 23.565 EW pro Jahr bzw. 0,93 % pro Jahr.

 

3  Kläranlagenspezifische Abfälle
3.1  Klärschlamm (19 08 05)
3.11  Übersicht Neuschlammanfall

Neuschlamm im Sinne dieser Abfallbilanz umfasst Klärschlamm aus laufendem Betrieb sowie aus regelmäßig betriebenen Schlammplätzen. Tabelle 2 gibt eine Übersicht über die Neuschlammmengen, geordnet nach den Bereichen Rohschlamm, Stabilisierung und Entwässerung.

  • Rohschlamm beinhaltet neben dem RV-eigenen Schlammanfall auch:
    • Co-Substrate
    • externe kommunale Roh-Klärschlämme
    • Fäkalschlämme und Chemietoiletteninhalte
    • Deponieschlämme

Nur Co-Substrate werden wegen ihrer besonderen abfallwirtschaftlichen Bedeutung für den Ruhrverband in der Tabelle 1 gesondert aufgeführt.

Die Ermittlung der Rohschlammmengen anhand der auf den  Kläranlagen durchgeführten Messungen liefert oft nur wenig plausible Ergebnisse. Besser geeignet erscheint eine Hochrechnung über die bei der Stabilisierung angefallene Faulgasmenge. Jedoch ist auch hierbei zu bedenken, dass durch die unvermeidbaren Messfehler insbesondere bei der Bestimmung der Faulgasvolumenströme und der unterschiedlichen Zusammensetzung der Klärschlämme lediglich eine näherungsweise Bestimmung der Rohschlammmenge möglich ist.

Bei der Bestimmung der Rohschlammmenge wurde mit einer spezifischen Umsetzungsrate von organischer Trockenmasse in Faulgas von 1,071*10-3 toTR/m³N gerechnet.

Insgesamt fielen im Jahr 2017 auf den RV-Kläranlagen 62.729 tTR Rohschlamm an. Einwohnerspezifisch entspricht dies einer Menge von 27,00 kgTR/EW*a (2016: 27,95 kgTR/EW*a).

3.1.2 Schlammabgabe an Fremd-Kläranlagen

436 tTR Rohschlamm der KA Hagen-Boele wurden zur Weiterbehandlung an eine nicht verbandseigene Kläranlage (KA der Papierfabrik Stora Enso Kabel GmbH & Co. KG in Hagen) abgegeben. Die Entsorgung dieses Klärschlammes erfolgt gemeinsam mit dem Klärschlamm aus dem Werksabwasser und teilt sich in verschiedene Entsorgungswege auf:

- Mitverbrennung

    • RWE Power AG im Kraftwerk Weisweiler

- Verwertung

    • Wienerberger GmbH, Buldern (Ziegelherstellung).

 

 

3.1.3 Faulgas

Ein großer Teil der organischen Inhaltsstoffe aus dem Rohschlamm wird in Faulgas umgewandelt. 2017 entstanden 24,91 Mio. m³N Faulgas. Der Faulgasanfall der Jahre 2007-2017 ist in Abbildung 3 abgebildet.

 

 

 

 

 

 

3.1.4  Stabilisierter Schlamm

60.455 tTR Rohschlamm wurden anaerob oder aerob behandelt. Insgesamt standen 37.366 tTR stabilisierte Klärschlämme zur Entsorgung an (16,08 kg/EW*a), davon 35.528 tTR anaerob und 1.838 tTR aerob stabilisiert. In der stabilisierten Klärschlammmenge sind 4.350 tTR Fällschlamm enthalten. Gegenüber 2016 ist der Klärschlamm Anfall leicht gesunken. Die insgesamt rückläufige Entwicklung der letzten Jahre ist in Abbildung 4 dargestellt.

 

 

 

 

 

 

3.1.5   Entsorgung Neu- und Altschlamm

Altschlamm beschreibt Klärschlamm, der in der Vergangenheit in Deponien und in Schlammplätzen, deren Betrieb durch keine regelmäßigen oder vollständigen Leerungen gekennzeichnet war (sog. Altschlammplätze), abgelagert worden ist.

Deponien sind abfallrechtlich zugelassene Abfallentsorgungsanlagen, in denen Abfälle zeitlich unbegrenzt oberirdisch abgelagert werden.

Altschlammplätze sind Klärschlammablagerungen, die nicht als Deponien nach Abfallrecht zugelassen sind.

 

 

 

 

 

 

Sämtliche Klärschlämme wurden in 2017 verbrannt. Der größte Abnehmer ist die WFA Elverlingsen (WFA E), die 30.725 tTR (76 %) der RV-Klärschlämme in entwässerter Form entsorgt. An die SVA Buchenhofen (SVA B) wurden 9.969 tTR abgegeben. Die restlichen entwässerten Klärschlammmengen wurden über die Firma Remondis Aqua GmbH & Co. KG, die Betriebsführung Trocknungsanlage Emscherbrennstoffe GmbH (BETREM) und die RWE Generation SE im Müllheizkraftwerk Essen-Karnap verbrannt.

 

 

 

 

 

 

Insgesamt wurden 36.981 tTR Neuschlamm (34.973 tTR aus dem laufenden Betrieb sowie 2.008 tTR aus regelmäßig betriebenen Schlammplätzen) und 4.279 tTR Altschlamm in Verbrennungsanlagen entsorgt. Die Feststoffgehalte der Neuschlämme aus laufendem Betrieb liegen im gewichteten Mittel bei 26 %. Seit 2012 ist eine leicht steigende Tendenz zu erkennen.

 

 

 

 

 

 

Die Feststoffgehalte der Schlammplatzmaßnahmen liegen im gewichteten Mittel für das Jahr 2017 bei 25.35 %.

 

 

 

 

 

 

 

 

Insgesamt wurden 978 tTR Neuschlamm in Schlammplätzen zur Entwässerung zwischengelagert und 447 tTR aus Vorjahren, die in Schlammplätzen zwischengelagert waren, endgültig entsorgt. Der Bestand in den Schlammplätzen hat sich damit in 2017 um 531 tTR vermehrt. Die Bilanzsumme seit 2003 beträgt 3.207 tTR.

 

 

 

 

 

 

 

 

Seit 2003 wurden 709.868 t Altschlämme aus einer Vielzahl von Altschlammplätzen und Deponien geräumt und entsorgt. Seit Juni 2005 wird der entsorgte Altschlamm ausschließlich verbrannt.

In 2017 wurden 73.588 t aus den Alt-Schlammplätzen Menden-Wälkesberg, Olpe, Hagen-Boele und Galp entnommen, davon wurden aus dem Alt-Schlammplatz Menden-Wälkesberg 1.810 t (1.277 tTR) zur WFA E, aus dem Altschlammplatz Galp 9.351 t (2.697 tTR) zur SVA B sowie aus dem Alt-Schlammplatz Hagen-Boele 457 t (233 tTR) und aus der Deponie Olpe 290 t (72 tTR) zur MVA Karnap verbracht.

 

 

 

 

 

3.2  Sandfanggut (19 08 02)

Insgesamt fielen auf den Kläranlagen des Ruhrverbands 3.405 t Sandfanggut (SFG) an. Gemäß des ATV Arbeitsberichtes1 ergibt sich bei einem mittleren TR-Gehalt von 56% eine Trockenmasse von 1.907 tTR. Einwohnerspezifisch entspricht dies einer Menge von 1,47 kg/EW*a bzw. 0,82 kgTR/EW*a. Die Verwertungsquote lag bei 100 %, davon wurden 25,6 % thermisch verwertet.

 

 

 

 

1 Arbeitsbericht der ATV/VKS-Arbeitsgruppe 3.12.2 „Abfälle aus Kläranlagen – Rechengut, Sandfanggut“ im ATV/VKS-Fachausschuss 3.11 „Infrastruktur –abfälle aus Abwasseranlagen und Straßenunterhaltung“ (1. Teilbericht),(KA 11/96)

Die in der Abbildung 8 dargestellte Mengenentwicklung zeigt einen deutlichen Rückgang der Sandfanggutmengen zwischen 2005 und 2008. Einen wesentlichen Beitrag zu dieser Entwicklung leistet der vermehrte Einsatz von Sandwäschern. In den letzten Jahren sind die Sandfanggutmengen annähernd konstant.

 

 

 

 

 

 

 

3.3  Rechengut (19 08 01)

Insgesamt fielen auf den Kläranlagen des Ruhrverbands 4.691 t Rechengut (RG) an. Gemäß des ATV Arbeitsberichtes2 ergibt sich bei einem mittleren TR-Gehalt von 35,8% eine Trockenmasse von 1.672 tTR. Einwohnerspezifisch entspricht dies einer Menge von 2,02 kg/EW*a bzw. 0,72 kgTR/EW*a. Die Entsorgung erfolgte 2017 ausschließlich thermisch. Zwischen 2006 und 2010 ist ein deutlicher Rückgang der Rechengutmengen zu erkennen. Seit 2013 ist nur noch ein leichter Rückgang zu erkennen.

 

 

 

 

 

 

 

2 Arbeitsbericht der ATV/VKS-Arbeitsgruppe 3.12.2 „Abfälle aus Kläranlagen – Rechengut, Sandfanggut“ im ATV/VKS-Fachausschuss 3.11 „Infrastruktur –abfälle aus Abwasseranlagen und Straßenunterhaltung“ (1. Teilbericht),(KA 11/96)

3.4  Summe der kläranlagenspezifischen Abfälle

Mit rund 140.560 Tonnen entwässertem Klärschlamm (Neuschlamm), rund 4.680 Tonnen Rechen- und 3.350 Tonnen Sandfanggut machten die Rückstände aus der Abwasserreinigung 2017 erneut den überwiegenden Teil der Abfälle beim Ruhrverband aus. Seit 2011 ist nur noch ein geringer Rückgang zu beobachten.

 

 

 

 

 

4.  Flusssedimente (7 05 06)

In 2017 sind aus dem Vorbecken der Hennetalsperre insgesamt 47.668 m³ Sedimente angefallen. Die Sedimente wurden auf der ehemaligen Klärschlammdeponie Bestwig-Velmede zur Verfüllung eingesetzt.

 

5.  Mäh- und Treibgut (02 0 03)

Wasserpflanzen fallen sowohl als Mähgut als auch als Treibgut, dass an Wehren und Rechenanlagen entnommen wird, an. Der Anfall ist stark schwankend. Darüber hinaus gibt es Treibgut, das nicht durch überwiegenden Wasserpflanzenanteil geprägt ist. Bei diesem Treibgut dominieren holzige Bestandteile, die insbesondere bei Hochwasserereignissen in die Gewässer gelangen.

 

 

 

 

 

 

6  Abfälle aus dem Kanalbetrieb

Seit dem Jahr 2008 führt der Ruhrverband den Kanalbetrieb der Stadt Meschede durch, seit 2011 den Kanalbetrieb der Stadt Schmallenberg und seit 2017 den Kanalbetrieb Eslohe. Der Ruhrverband ist damit auch bilanzierungspflichtig für die dort anfallenden Abfälle.