Abfallbilanz 2016

Abfallbilanz 2016 gemäß § 5 Abs. 8 LAbfG

1. Einleitung

Die Abfallbilanz beinhaltet Art, Menge und Verbleib der angefallenen und entsorgten Abfälle einschließlich deren Verwertung. Sie muss jährlich für das vorangegangene Jahr erstellt und in geeigneter Weise der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Sie ist auf Verlangen den zuständigen Abfallwirtschaftsbehörden vorzulegen. Soweit Abfälle nicht verwertet werden, ist dieses zu begründen.

Der Ruhrverband ist gemäß § 5 Abs. 8 LAbfG der für die Entsorgung der bei der Abwasserreinigung anfallenden Klärschlämme und sonstigen festen Stoffe zuständige öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger.

Entsprechend § 21 des Kreislaufwirtschaftsgesetzes in Verbindung mit dem Abfallgesetz für das Land Nordrhein-Westfalen (§ 5c LAbfG) sind die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger zur Erstellung und zur Veröffentlichung von Abfallbilanzen verpflichtet. Diese wird hiermit für das Jahr 2016 vorgelegt.

In den Verbandsanlagen (Kläranlagen, Entwässerungsanlagen, Niederschlagswasser-behandlungsanlagen, Pumpwerke, Stauseen und Talsperren) fallen folgende, vom Ruhrverband zu entsorgende Abfallarten an:

 

AbfallartAbfallschlüssel
Klärschlamm19 08 05
Rechengut19 08 01
Sandfanggut19 08 02
Wasserpflanzen Treib- und Mähgut02 01 03
Treibgut19 09 01
Flusssedimente17 05 06
Kanalspülgut19 08 01

 

 

Die Angaben über Art, Menge und Verbleib der angefallenen und entsorgten Abfälle sind in der zusammenfassenden Abbildung "Abfallbilanz 2016" dargestellt (Anlage 1).

Der Hauptanteil der regelmäßig zu entsorgenden Reststoffe fällt bei der Reinigung der den Ruhrverbandskläranlagen zugeleiteten Abwässer von Kommunen und Industrie an. Dazu zählt insbesondere Klärschlamm.

Der überwiegende Teil des Klärschlamms wird durch Faulung stabilisiert. Das dabei entstehende Faulgas wird in großen Teilen für Betriebszwecke, insbesondere das Aufwärmen des Rohschlamms für den Faulprozess, aber auch für die Heizung der Betriebsgebäude und

zur Erzeugung elektrischer Energie bzw. von Druckluft für die Belebungsbecken eingesetzt. Damit wird der unter den jeweiligen anlagenspezifischen Randbedingungen wirtschaftlich nutzbare Energiegehalt der Klärschlämme verwertet.

2. Einwohnerwerte

Die Berechnungen der spezifischen Massen für Rohschlamm, Sandfang- und Rechengut basieren auf dem Einwohnerwert EWCSB120 von 2.329.854 des Jahres 2016.

 

Die Gesamtabnahme der Einwohnerwerte beträgt seit 2007 193.806 EW. Dies entspricht einer mittleren Abnahme von 21.534 EW pro Jahr bzw. 0,88 % pro Jahr.

 

3. Kläranlagenspezifische Abfälle

3.1 Klärschlamm (19 08 05)

3.1.1 Übersicht Neuschlammanfall

Neuschlamm im Sinne dieser Abfallbilanz umfasst Klärschlamm aus laufendem Betrieb sowie aus regelmäßig betriebenen Schlammplätzen. Tabelle 1 gibt eine Übersicht über die Neuschlammengen, geordnet nach den Bereichen Rohschlamm, Stabilisierung und Entwässerung.

Insgesamt fielen im Jahr 2016 auf den RV-Kläranlagen 62.887 tTR Rohschlamm an. Einwohnerspezifisch entspricht dies einer Menge von 27,95 kgTR/EW*a (2015: 27,38 kgTR/EW*a).

3.1.2 Schlammabgabe an Fremd-Kläranlagen

459 tTR Rohschlamm der KA Hagen-Boele wurden zur Weiterbehandlung an eine nicht verbandseigene Kläranlage (KA der Papierfabrik Stora Enso Kabel GmbH & Co. KG in Hagen) abgegeben. Die Entsorgung dieses Klärschlammes erfolgt gemeinsam mit dem Klärschlamm aus dem Werksabwasser und teilt sich in verschiedene Entsorgungswege auf:

- Mitverbrennung

·         RWE Power AG im Kraftwerk Frimmersdorf.

- Verwertung

·         Wienerberger GmbH, Buldern (Ziegelherstellung).

3.1.3      Stabilisierter Schlamm

62.768 tTR Rohschlamm wurden in RV-Faulbehältern behandelt. Insgesamt standen 37.821 tTR stabilisierte Klärschlämme zur Entsorgung an (16,23 kg/EW*a), davon 35.920 tTR anaerob und 1.901 tTR aerob stabilisiert. Gegenüber 2015 ist der Klärschlamm Anfall leicht gestiegen. Die insgesamt rückläufige Entwicklung der letzten Jahre ist in Abbildung 3 dargestellt.


3.1.4 Entsorgung Neu- und Altschlamm

Altschlamm beschreibt Klärschlamm, der in der Vergangenheit in Deponien und in Schlammplätzen, deren Betrieb durch keine regelmäßigen oder vollständigen Leerungen gekennzeichnet war (sog. Altschlammplätze), abgelagert worden ist.

Deponien sind abfallrechtlich zugelassene Abfallentsorgungsanlagen, in denen Abfälle zeitlich unbegrenzt oberirdisch abgelagert werden.

Altschlammplätze sind Klärschlammablagerungen, die nicht als Deponien nach Abfallrecht zugelassen sind.

 

 


 

Sämtliche Klärschlämme wurden in 2016 verbrannt. Der größte Abnehmer ist die WFA Elverlingsen (WFA E), die 31.170 tTR (80 %) der RV-Klärschlämme in entwässerter Form entsorgt. An die SVA Buchenhofen (SVA B) wurden 9.662 tTR abgegeben. Die restlichen entwässerten Klärschlammmengen wurden über die Firma Remondis Aqua GmbH & Co. KG, die Betriebsführung Trocknungsanlage Emscherbrennstoffe GmbH (BETREM) und RWE Generation SE Müllheizkraftwerk Essen-Karnap verbrannt.

Insgesamt wurden 37.983 tTR Neuschlamm (35.480 tTR aus dem laufenden Betrieb sowie 2.503 tTR aus regelmäßig betriebenen Schlammplätzen) und 6.548 tTR Altschlamm in Verbrennungsanlagen entsorgt. Die Feststoffgehalte der Neuschlämme aus laufendem Betrieb liegen bei knapp 26 % und damit rund 1% Punkt unter dem Entwässerungsergebnissen der regelmäßig geleerten Schlammplätze.

Insgesamt wurden 815 tTR Neuschlamm in Schlammplätzen zur Entwässerung zwischengelagert und 753 tTR aus Vorjahren, die in Schlammplätzen zwischengelagert waren, endgültig entsorgt. Der Bestand in den Schlammplätzen hat sich damit in 2016 um 62 tTR vermehrt. Die Bilanzsumme seit 2003 beträgt 2.673 tTR.

Seit 2003 wurden 688.799 t Altschlämme aus einer Vielzahl von Altschlammplätzen und Deponien geräumt und entsorgt. Seit Juni 2005 wird der entsorgte Altschlamm ausschließlich verbrannt.

In 2016 wurden 12.991 t aus den Alt-Schlammplätzen Menden-Wälkesberg, Essen-Werden und Galp entnommen, davon wurden aus dem Alt-Schlammplatz Menden-Wälkesberg 4.891 t (3.472 tTR) und aus Galp 1.493 t (433 tTR) zur WFA E sowie aus dem Alt-Schlammplatz Essen-Werden 6.607 t (2.643 tTR) zur MVA Karnap verbracht.

3.2 Sandfanggut (19 08 02)

Insgesamt fielen auf den Kläranlagen des Ruhrverbands 3.178 t Sandfanggut (SFG) an. Gemäß des ATV Arbeitsberichtes1 ergibt sich bei einem mittleren TR-Gehalt von 56% eine Trockenmasse von 1.780 tTR. Einwohnerspezifisch entspricht dies einer Menge von 1,36 kg/EW*a bzw. 0,76 kgTR/EW*a. Die Verwertungsquote lag bei 100 % davon wurden 25,6 % thermisch verwertet.


Tabelle 4: Entsorgtes Sandfanggut (SFG) im Jahr 2016

SFG (t)SFG (tTR)Anteil des SFG in % der
Feuchtmasse
mineralische Verwertung2.3641.32474,4
thermische Verwertung81445625,6
Summe3.1781.780100

 1 Arbeitsbericht der ATV/VKS-Arbeitsgruppe 3.12.2 „Abfälle aus Kläranlagen – Rechengut, Sandfanggut“ im ATV/VKS-Fachausschuss 3.11 „Infrastruktur –abfälle aus Abwasseranlagen und Straßenunterhaltung“ (1. Teilbericht),(KA 11/96)

 

Die in der Abbildung 8 dargestellte Mengenentwicklung zeigt einen deutlichen Rückgang der Sandfanggutmengen zwischen 2005 und 2008. Einen wesentlichen Beitrag zu dieser Entwicklung leistet der vermehrte Einsatz von Sandwäschern. Im Vergleich zu 2015 sind die Sandfanggutmengen dem Trend seit 2009 entsprechend geringfügig zurückgegangen.

 

3.3 Rechengut (19 08 01)

Insgesamt fielen auf den Kläranlagen des Ruhrverbands 4.820 t Rechengut (RG) an. Gemäß des ATV Arbeitsberichtes2 ergibt sich bei einem mittleren TR-Gehalt von 35,8% eine Trockenmasse von 1.716 tTR. Einwohnerspezifisch entspricht dies einer Menge von 2,07 kg/EW*a bzw. 0,74 kgTR/EW*a. Die Entsorgung erfolgte 2016 ausschließlich thermisch. Zwischen 2006 und 2010 ist ein deutlicher Rückgang der Rechengutmengen zu erkennen. Seit 2013 stagnieren die Rechengutmengen.
 

2 Arbeitsbericht der ATV/VKS-Arbeitsgruppe 3.12.2 „Abfälle aus Kläranlagen – Rechengut, Sandfanggut“ im ATV/VKS-Fachausschuss 3.11 „Infrastruktur –abfälle aus Abwasseranlagen und Straßenunterhaltung“ (1. Teilbericht),(KA 11/96)

3.4 Summer der kläranlagenspezifischen Abfälle

Mit rund 146.000 Tonnen entwässerten Klärschlamm, rund 4.800 Tonnen Rechen- und 3.200 Tonnen Sandfanggut machten die Rückstände aus der Abwasserreinigung 2016 erneut den überwiegenden Teil der Abfälle beim Ruhrverband aus. Seit 2011 ist nur noch ein geringer Rückgang zu beobachten.

4. Flusssedimente (17 05 06)

In 2016 sind 24.123 t Flusssedimente an der Biggetalsperre im Vorbecken Kessenhammer angefallen. Insgesamt 4.338 t wurden im Kompostwerk des Olper Entsorgungszentrums GmbH & Co. KG zu Mutterboden weiterverarbeitet. Die restlichen 20.221 t wurden zum Haldenaufbau verwendet.

 

5. Mäh- und Treibgut (02 01 03)

Wasserpflanzen fallen sowohl als Mähgut als auch als Treibgut, dass an Wehren und Rechenanlagen entnommen wird, an. Der Anfall ist stark schwankend. Darüber hinaus gibt es Treibgut, das nicht durch überwiegenden Wasserpflanzenanteil geprägt ist. Bei diesem Treibgut dominieren holzige Bestandteile, die insbesondere bei Hochwasserereignissen in die Gewässer gelangen.

6. Abfälle aus dem Kanalbetrieb

Seit dem Jahr 2008 betreut der Ruhrverband den Kanalbetrieb der Stadt Meschede und seit 2011 den Kanalbetrieb der Stadt Schmallenberg. Der Ruhrverband ist damit auch bilanzierungspflichtig für die dort anfallenden Abfälle.