Körperpflegeprodukte, Medikamente, Pflanzenschutzmittel, Reste von Lacken und Farben: Viele Stoffe des täglichen Bedarfs hinterlassen Spuren im Wasser, wenn sie durch menschliche Ausscheidungen, durch Abwässer aus der Industrie, durch Versickerungen von landwirtschaftlichen Flächen oder auf anderem Wege ins Gewässer gelangen. Diese sogenannten Mikroverunreinigungen können mit heutigen Analysemethoden bereits im Bereich weniger Nanogramm (Milliardstel Gramm) pro Liter Wasser festgestellt werden.
Mit diesen winzigen Stoffspuren haben sich kürzlich das Rheinisch-Westfälische Institut für Wasser (IWW) in Mülheim und das Institut für Siedlungswasserwirtschaft der RWTH Aachen in einer umfangreichen Studie befasst. Untersucht wurde, in welchen Konzentrationen die Wirkstoffe bestimmter oft angewendeter Medikamente, Röntgenkontrastmittel und Flammschutzmittel in der Ruhr nachgewiesen werden können.
Das Ergebnis: Die Konzentrationen in der Ruhr lagen weit unterhalb der von der Deutschen Trinkwasserkommission vorgegebenen Werte, bis zu denen Trinkwasser bedenkenlos ein Leben lang getrunken werden kann. Trotzdem arbeitet der Ruhrverband mit Unterstützung des nordrhein-westfälischen Umweltministeriums daran, weitere Verfahren zur Beseitigung von Mikroverunreinigungen aus dem Abwasser zu erproben. In einem Pilotversuch auf der Kläranlage Schwerte werden in Kürze Oxidations- und Adsorptionsverfahren unter Praxisbedingungen getestet und ihre Ergebnisse mit denen einer konventionellen Abwasserbehandlung verglichen. Nicht nur die Analysemethoden, auch die Verfahren zur Behandlung von Stoffrückständen werden also ständig weiterentwickelt. Mikroverunreinigungen völlig aus dem Gewässer zu entfernen, wird jedoch wohl auch in Zukunft nicht möglich sein. In den Konzentrationen, in denen die bisher bekannten Verbindungen in der Ruhr vorkommen, sind sie aber für Mensch und Umwelt unbedenklich.