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Studie zur Durchgängigkeit der Ruhr und ihrer Nebengewässer

Für die Erreichung eines guten ökologischen Zustands der Oberflächengewässer gemäß Europäischer Wasserrahmenrichtlinie (EG-WRRL) sind unter anderem die Diversität und Abundanz der Fischfauna und des Makrozoobenthos maßgeblich. Voraussetzung für eine dem geforderten guten ökologischen Zustand entsprechende Biozönose ist neben der Wasserqualität die Durchgängigkeit von Gewässersystemen, um die Wanderbewegungen aquatischer Organismen zu ermöglichen. Allerdings ist die Ruhr als Folge der Entwicklung des Ruhrgebietes zu einer ausgeprägten und dicht bevölkerten Industrieregion einem besonderen Nutzungsdruck ausgesetzt und in der Vergangenheit stark anthropogen überformt worden. Dies zeigt sich nicht nur durch den Bau von Talsperren, sondern auch an einer Kette von Stauseen im Unterlauf der Ruhr sowie einer Vielzahl von Stauhaltungen in den Nebengewässern. Die Ruhr selbst weist etwa 50 Stauanlagen auf. Im gesamten Ruhreinzugsgebiet liegen bei einer Gesamtlänge der betrachteten Gewässer von rund 1.870 Kilometern etwa 1.200 Querbauwerke vor. Eine ungehinderte Durchwanderbarkeit für aquatische Organismen ist demnach nicht gegeben. Demzufolge sind die Fischarten, wie Lachs und Aal, die im Laufe ihres Lebenszyklus große Wanderungen durchführen, nicht in selbst reproduzierenden Beständen vorhanden, obwohl die Wasserqualität dies nahezu uneingeschränkt zulassen würde.

Stauanlagen an der unteren und mittleren Ruhr
Wehr Hengsteysee

Für die mögliche Forderung nach einer vollständigen Wiederherstellung der Durchgängigkeit der Ruhr und ihrer Nebengewässer sollte eine Studie unter Beachtung des gesamten Ruhreinzugsgebiets Aufschluss darüber geben, welche Rahmenbedingungen es hierbei zu berücksichtigen gilt. Wichtig bei ihrer Bearbeitung waren zum einen die Anwendung eines ganzheitlichen, flussgebietsbezogenen Arbeitsansatzes und zum anderen die Entwicklung eines überregionalen, nicht einzelfallbezogenen Handlungskonzepts unter Einbeziehung von Kostenschätzungen. Die Studie wurde vom Ruhrverband durchgeführt und vom Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (MUNLV) Nordrhein-Westfalen finanziell gefördert. Der Ruhrverband hat im Rahmen dieser Studie einen Auftrag an das Büro Floecksmühle vergeben.

Die Studie ergab, dass das Gewässersystem der Ruhr vor allem in den Äschenregionen der oberen Ruhr und ihrem Hauptnebenfluss Lenne Habitatstrukturen aufweist, wie sie von diadromen Fischarten (sogenannten "Langdistanzwanderfischen") wie z. B. Lachs und Meerforelle als Laichareale genutzt werden können. Deren Erreichbarkeit ist derzeit jedoch durch eine Vielzahl von Querbauwerken eingeschränkt. Zugänglich würden diese Areale erst durch die Errichtung von entsprechenden Fischaufstiegsanlagen, deren Investitionskosten die Studie auf etwa 40 Millionen Euro schätzt. Das Hauptproblem der Ruhr liegt jedoch aufgrund der Nutzungsstruktur von Ruhr und Lenne mit 52 bzw. 40 Standorten von Wasserkraftanlagen im Fischabstieg. Selbst wenn man an diesen Standorten für insgesamt rund 200 Millionen Euro moderne Schutzanlagen für alle Fischarten installieren würde, käme es an jedem Kraftwerksstandort zu (im Einzelfall geringen) Schädigungen der Fische, die in ihrer Summe die Zahl der stromabwärts wandernden Fische drastisch reduzieren würden. Aufgrund dieser Kettenwirkung der Kraftwerke ist die Wiederherstellung einer flussabwärts gerichteten Durchgängigkeit für die diadromen Arten mit heutigen Mitteln nicht realisierbar. Daher sind auch einzelne Maßnahmen zur Wiederherstellung der Durchgängigkeit von Querbauwerken neu zu bewerten. Im Sinne der Kosteneffizienz muss es gelingen, mit den eingesetzten Mitteln durch Einzelmaßnahmen einen möglichst großen Bereich von durchwanderbaren Fließgewässerabschnitten und Habitaten zu erschließen. Die sich hieraus ergebenden Fragen der Maßnahmenpriorisierung und -finanzierung bedürfen einer intensiven Befassung.

Fließgewässerzonierungskarte
Wasserkraftanlage mit vorgeschalteter Rechenanlage
Wasserkraftanlage mit vorgeschalteter Rechenanlage

Die Erkenntnisse dieser Studie (vgl. Ruhrgütebericht 2002) sind auch Grundlage des vom Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (MUNLV) in Nordrhein-Westfalen herausgegebenen Handbuchs Querbauwerke. Weitere Informationen hierzu bietet die Seite des Ministeriums für Umwelt und Naturschutz NRW.

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