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Pressemitteilung

09.09.2010 | Internationale Auszeichnung für den Ruhrgütebericht

37. Auflage des Qualitätsreports auf Pressekonferenz in Essen vorgestellt

Zum PDF-Download des Ruhrgüteberichts 2009

Im dritten Jahr in Folge haben sich Lachse in der Ruhr bei Mülheim vermehrt und damit wohl nun endgültig bewiesen, dass die Gewässerqualität der Ruhr selbst den hohen Ansprüchen des Lachses genügt. Von den erneuten Funden im Juni dieses Jahr unterhalb des Wehrs Mülheim- Raffelberg berichtete Prof. Harro Bode, Vorstandsvorsitzender des Ruhrverbands, am
9. September bei der Vorstellung des 37. Ruhrgüteberichts in Essen. Besonders bemerkenswert:
Der komplexe Lebenszyklus des Lachses hat sich auch diesmal nur wenige Kilometer vor der Mündung in den Rhein geschlossen, obwohl die Ruhr dort bereits das gereinigte Abwasser von fast zwei Millionen Menschen und vielen Industriebetrieben in sich trägt.

Doch nicht nur der Lachs ließ bei den Verantwortlichen des Ruhrverbands und der Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke an der Ruhr e. V. (AWWR), die den Ruhrgütebericht wie schon in den Vorjahren gemeinsam erarbeitet haben, Freude aufkommen. Gute Nachrichten gab es auch von der International Water Association (IWA), die den seit 1973 erscheinenden Ruhrgütebericht
mit dem weltweit ausgeschriebenen „IWA Marketing and Communications Award“ ausgezeichnet hat. „Für die international besetzte Jury war es ausschlaggebend, dass der Ruhrgütebericht in anspruchsvoller, aber gleichzeitig auch transparenter und nachvollziehbarer Weise seit fast 40
Jahren die Wasserqualität der Ruhr darstellt und dokumentiert und sie darüber hinaus vor dem Hintergrund in Diskussion befindlicher aktueller Anforderungen bewertet,“ sagte Prof. Harro Bode. Rund 50 Einreichungen aus aller Welt waren für den diesjährigen IWA Marketing and Communications Award eingegangen.

Damit künftig noch mehr anspruchsvolle Fischarten wie der Lachs in der Ruhr eine Heimat finden können, soll die kurz- bis mittelfristig geplante Errichtung von Fischwegen am Ruhrwehr in Duisburg und an den Stauanlagen Essen-Kettwig und Baldeneysee in absehbarer Zeit auch die wertvollen Laichareale im Deilbachsystem und anderen Gewässerabschnitten erreichbar machen.
Die Machbarkeitsstudie für die geplanten Fischwege steht kurz vor ihrem Abschluss. Wenn alle Beteiligten mitspielen und das Land NRW bei der angedachten Förderquote bleibt, kann voraussichtlich 2013 am Wehr Kettwig und 2014 am Wehr Baldeney mit dem Bau begonnen werden. Auch an vielen anderen Stellen entlang der Ruhr werden Fischaufstiegsanlagen errichtet
oder befinden sich in einer konkreten Planungsphase. Die gewünschte Wirkung entfalten alle diese Maßnahmen allerdings erst, wenn auch die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes den Fischweg am ersten Ruhrwehr saniert oder erneuert.

Weniger Verunreinigungen, bessere Aufklärungsquote: Das war eine weitere gute Nachricht, die Prof. Harro Bode auf der Pressekonferenz in Essen verkünden konnte. Seit den 1980er-Jahren ist die Zahl der Gewässerverunreinigungen durch Unfälle oder Störfälle in Betrieben im Einzugsgebiet der Ruhr um 30 Prozent zurückgegangen. Gestiegen ist hingegen die Aufklärungsquote. „Die Tatsache, dass immer mehr Verursacher dingfest gemacht werden können, spricht für den beharrlichen Einsatz der wasserwirtschaftlichen Akteure an der Ruhr“, so der Vorstandsvorsitzende
des Ruhrverbands.

„Auch im Jahr 2009 konnten die Ruhrwasserwerke die gewohnt hohe Versorgungsqualität in der Trinkwasserversorgung sicherstellen“, betonte Helmut Sommer, Vorsitzender des Präsidiums der AWWR, bei der Veröffentlichung des Ruhrgüteberichts. Beispielsweise ging die PFT-Belastung
der Ruhr weiter zurück. Bei Essen wurden für die Summe von PFOA und PFOS im Jahresmittel 2009 nur 0,044 Mikrogramm pro Liter ermittelt, ein Wert, der weit unterhalb des Zielwertes für Trinkwasser von 0,1 Mikrogramm pro Liter liegt. Im Vergleich zu 2007 nahm die mittlere Tagesfracht an der Ruhrmündung um insgesamt 59 Prozent ab. Ursachen für die positive Entwicklung sind besonders die getroffenen Maßnahmen auf den bekannten kontaminierten Flächen. Der Rückgang der Ruhrbelastungen mit PFT aus weiteren, meist diffusen Quellen gestaltet sich dagegen schwierig. Hier sind noch viele Untersuchungen zur Konkretisierung der Herkunft und viele Gespräche zur Reduzierung der Emissionen zu führen, um eine nachhaltige Verbesserung der Gesamtsituation zu erreichen.

Bei der Wasserqualität von Oberflächengewässern wird vor dem Hintergrund der heute sehr weitreichenden analytischen Möglichkeiten vermehrt das Vorhandensein von weiteren organischen Mikroverunreinigungen wie Lösemitteln, Medikamentenrückständen, Pflanzenbehandlungsmitteln
und Flammschutzmitteln diskutiert. Hier sind gemeinsam von allen Beteiligten vermittelbare Kriterien zu entwickeln, wie der bloße Nachweis dieser z. T. weltweit auftretenden Stoffe zu bewerten ist. In diesem Zusammenhang ist es erwähnenswert, dass viele Wasserwerke an der Ruhr bereits Aktivkohlefilter in der Trinkwasseraufbereitung zur Verminderung der
organischen Spurenstoffe einsetzen bzw. eine entsprechende Ergänzung der bestehenden Betriebsanlagen planen. Der Ruhrverband hat, als Bestandteil einer Gesamtstrategie, im Rahmen eines vom NRW-Umweltministerium geförderten Forschungsvorhabens auf der Kläranlage Schwerte eine großtechnische Versuchsanlage zur Elimination von Mikroverunreinigungen im
kommunalem Abwasser errichtet. Mit dieser Anlage, die mit einer europaweit einzigartigen Verfahrenskombination aus Aktivkohleadsorption und Ozonierung ausgestattet ist, sollen die Entstehung trinkwassergängiger Transformationsprodukte, die erzielbaren Eliminationsleistungen der
einzelnen Verfahren und die damit verbundenen Betriebskosten untersucht werden. Basierend auf den gewonnenen Erkenntnissen wird im nächsten Schritt durch den Gesetzgeber festzulegen sein, ob die erarbeiteten Konzepte in eine praktische Anwendung überführt werden sollen; für diesen Fall sind die notwendigen Regelungen zur Rechts-, Planungs- und Kostensicherheit zu schaffen.

Zu den Ergebnissen im Einzelnen:
Organische Belastung, Nährstoffe, Schwermetalle und Sauerstoffhaushalt (Seite 17-43)
Trotz der gegenüber dem langjährigen Mittel um 18 Prozent geringeren Abflüsse der Ruhr wurden die Orientierungswerte für die Parameter zur Beurteilung des ökologischen Zustands (organische Belastung, Nährstoffe, Sauerstoffgehalt) sicher eingehalten. Die Nährstoffkonzentrationen
haben sich seit mehreren Jahren auf einem niedrigen Niveau stabilisiert. Das Ausbleiben von Algenmassenentwicklungen hatte zur Folge, dass im Unterlauf der Ruhr auch 2009 wieder auf eine künstliche Belüftung verzichtet werden konnte. Die Konzentrationen für die prioritär gefährlichen
Schwermetalle Blei, Cadmium, Nickel und Quecksilber blieben sämtlich unter den Anforderungen der Umweltqualitätsnormen (UQN). Beim Zink ist wegen der geogenen Vorbelastung auch in absehbarer Zukunft ein „guter“ Zustand nicht zu erwarten. Die Untersuchungen dokumentieren eine insgesamt gute chemische Beschaffenheit des Fließgewässers, das die Anforderungen
der Fischgewässerverordnung und der Trinkwasserverordnung für alle routinemäßig untersuchten chemischen Kenngrößen erfüllt.

Mikroverunreinigungen/ Organische Spurenstoffe (Seite 73-85)
Aufgrund der Bedeutung von Mikroverunreinigungen im Trinkwasserfluss Ruhr wurde die Anzahl der analysierten organischen Verbindungen auf mittlerweile rund 400 erhöht. Bei dem Großteil der untersuchten Verbindungen kam es allerdings zu keinerlei Befunden. Dies ist anders bei den toxikologisch unbedenklichen synthetischen Komplexbildner EDTA und DTPA, deren Medianwerte bei Essen bei sieben und fünf Mikrogramm pro Liter lagen. Bedingt durch einen Rückgang bei den gewerblich-industriellen Emissionen hat sich die Belastung der Ruhr insbesondere mit DTPA in den letzten Jahren allerdings deutlich verringert. In weitaus niedrigeren Konzentrationen kommen andere Mikroverunreinigungen vor, zum Beispiel Medikamenten- und Diagnostikarückstände, Weichmacher, Benzinzusatzstoffe, phosphororganische Flammschutzmittel und Pflanzenbehandlungsmittel (PBSM). Bei Essen wurden als typische Konzentrationen für die 0,000001 g/l) bzw. <0,1 μg/l ermittelt. Auf diesem Konzentrationsniveau ist für diese Mikroverunreinigungenwichtigsten Vertreter dieser Stoffgruppen Werte von <1 μg/l (μg = 1 Millionstel Gramm = eine öko- und humantoxikologische Relevanz weitgehend auszuschließen.

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Ansprechpartner

Markus Rüdel
Pressesprecher

Tel.: 0201/178-1160

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