Wasserpflanzen

Seit dem Jahr 2000 tritt in den Ruhrstauseen Hengsteysee, Harkortsee und Kemnader See die Wasserpest-Art Elodea nuttallii massenhaft auf und bedeckt im Sommer z. T. mehr als die Hälfte der Seeflächen. Bei Elodea nuttallii handelt es sich um einen sogenannten Neophyten, d. h. eine nicht-heimische Pflanzenart, die aus Amerika eingeschleppt wurde und in den 1930er-Jahren erstmals in europäischen Gewässern auftrat. 2008 bildete diese Wasserpflanze erstmals auch im Baldeneysee ausgedehnte Bestände.
Zwischenzeitlich haben sich im Baldeneysee neben der in den drei oberen Ruhrstauseen hauptsächlich anzutreffenden und bei Wassersportlern besonders unbeliebten Elodea nuttallii aber auch größere Bestände von Igelkolben (Sparganium), Wasserstern (Callitriche obtusangula) und Kleinem Laichkraut (Potamogeton berchtoldii) angesiedelt. In Abhängigkeit von den Witterungsverhältnisse im Frühjahr setzt entweder zunächst eine verstärkte Entwicklung planktischer Algen oder ein verstärktes Wachstum von Elodea ein. Dies führt dazu, dass in den Ruhrstauseen sowohl Jahre mit Elodea-Massenentwicklungen aber auch Jahre ohne erkennbare Pflanzenbestände auftreten können.

Das Wachstum von Wasserpflanzen in den Ruhrstauseen ist ein Zeichen der deutlich verbesserten Wasserqualität. Dank des vom Gesetzgeber geforderten Ausbaus der Kläranlagen, um Nährstoffe besser aus dem Abwasser zu entfernen, beträgt zum
Beispiel die Phosphorfracht heute nur noch ein Zehntel des Wertes der 1980er-Jahre. Dadurch ging die Entwicklung von Algen (Phytoplankton) stark zurück, die Gewässer wurden klar und das Sonnenlicht kann bis zum Gewässergrund dringen.

In den letzten  drei bis vier Jahren wird die Klarheit des Ruhrwassers noch dadurch verstärkt, dass über den Rhein die Asiatische Körbchenmuschel Corbicula in die Ruhr eingewandert ist und zwischenzeitlich hohe Dichten aufgebaut hat. Denn diese Muschel ernährt sich fas ausschließlich von planktischen Algen, wodurch das Wasser immer klarer wird. Deshalb können in den Stauseen der Ruhr heute Wasserpflanzen (Makrophyten) und zunehmend auch heimische, z.T. seltene Arten wachsen.

Die Verbesserung der ökologischen Situation der Ruhrstauseen wirkt sich nicht nur positiv auf die Wachstumsbedingungen für die verschiedenen Wasserpflanzenarten aus, sondern fördert auch die Fischbestandsentwicklung und den Arten- und Individuenreichtum der Wirbellosenfauna, wie Krebstiere, Muscheln und Insektenlarven.

Diese ökologisch positive Entwicklung verursacht jedoch Konflikte mit der Nutzung: Wassersport ist in den verkrauteten Seen während der Vegetationsperiode nur noch eingeschränkt möglich und die Wasserkraftnutzung kann beeinträchtigt werden. Daher versucht der Ruhrverband im Rahmen seiner Möglichkeiten und Pflichten die Elodea-Bestände durch Maßnahmen zu reduzieren.

Weiterführende Informationen:

 

Maßnahmen

Obwohl die Aufrechterhaltung einer uneingeschränkten Wassersportnutzung nicht zu den Aufgaben des Ruhrverbands gehört, versucht dieser doch, im Interesse der Wassersportler, eine solche Freizeitnutzung, soweit es im Rahmen seiner Möglichkeiten steht, zu ermöglichen.

Bereits in der Vergangenheit testete der Ruhrverband diverse Verfahren, um der Elodea beizukommen. Einige Maßnahmen stellten sich dabei zwar als praktikabel aber wenig nachhaltig heraus (Einsatz von Rotfedern, Bearbeitung des Seebodens mit Pflug, Egge, Polterkette etc.). Eine weitere Möglichkeit, die Vertiefung von Seen durch Sedimententnahme, zeigte sich am Beispiel des Haarkortsees im Jahr 2001 ebenfalls nahezu ohne Wirkung.

Der Ruhrverband schafft es durch Mähen der Bestände zumindest zeitweise und lokal die Wassersportnutzung zu ermöglichen. Ziel ist es hierbei – unterstützt durch Aktivitäten der Wassersportler selbst – die Passagen zwischen den Liegeplätzen und den noch nicht verkrauteten Bereichen der Flussstauseen freizuhalten oder aber Wettkämpfe durch Freischneiden der Regattastrecken zu ermöglichen.

Mit dem Projektantrag „ELODEA II“ an das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (MKULNV) über die Bezirksregierung Düsseldorf sollen weitere innovative Methoden zur Kontrolle des Makrophytenwachstums in den Ruhrstauseen getestet werden. Denkbar wäre u. a. eine konkurrierende Bepflanzung mit Armleuchteralgen, der Einsatz eines sogenannten „Rollenpflückers“, der die Wasserpflanzen mitsamt ihrer Wurzeln entfernt oder auch die Veränderung der hydraulischen Bedingungen (Strömungsverhalten).

Da ein völliges Freihalten der Ruhrstauseen zur Freizeitnutzung nicht mit dem gesetzlichen Auftrag des Ruhrverbands in Einklang zu bringen ist, bedarf es gemeinsamer Anstrengungen aller Anrainerstädte und privater Gewässernutzer, die Interessen der verschiedenen Nutzergruppen unter Beachtung ökologischer Belange so weit als möglich zu realisieren.