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Ruhrverband - 100 Jahre Wasserwirtschaft an der Ruhr

  • ausgetrocknetes Flussbett der Ruhr

    1893 – 1899 Notstand an der Ruhr

    An der Ruhr herrschten am Ende des 19. Jahrhunderts unhaltbare Zustände: Trockenheit und Verschmutzung führten zu schweren hygienischen Problemen. Die Industrialisierung hatte die ländliche Region in ein Zentrum der Montanindustrie verwandelt, die Ruhr wurde immer stärker beansprucht. Im extremen Trockenjahr 1893 wurde das Ende der „wilden Wasserwirtschaft“ verlangt. Eine Versammlung, in der Städte, Behörden, Wasserwerke und Industrieunternehmen vertreten waren, beschloss den Bau von Stauanlagen. 1899 wurde dafür der Ruhrtalsperrenverein gegründet.

  • 1900 – 1913
    Vor der Gründung des Ruhrverbands

    Die Probleme durch Trockenheit und Verschmutzung verschärften sich; in mehreren Städten entlang der Ruhr brachen Typhusepidemien aus. Nun fielen wegweisende Entscheidungen: 1906 wurde der Bau der Möhnetalsperre beschlossen, 1910 erschien das Gutachten über „Die Reinhaltung der Ruhr“, das die Gründung eines Wasserverbandes für das gesamte Ruhreinzugsgebiet empfahl. Das Ruhrreinhaltungsgesetz legte am 5. Juni 1913 die Basis für die Gründung des Ruhrverbands. Am 12. Juli 1913 wurde die Möhnetalsperre eingeweiht.

  • 1914 -1926 Erste Erfolge

    Der Erste Weltkrieg stoppte 1914 den Bau von Reinigungsanlagen. Auch der Wasserbedarf ging zurück und die Industrie leitete weniger Abwasser in die Ruhr ein. Nach dem Kriegsende 1918 zeigten sich erste Erfolge der Verbandsarbeit: Die Talsperren versorgten das Ruhreinzugsgebiet zuverlässig mit Wasser. 1925 errichtete der Ruhrverband in Essen-Rellinghausen zum ersten Mal in Deutschland eine biologische Kläranlage nach dem Belebtschlammverfahren. Das Belebtschlammverfahren zeigte die „denkbar beste Reinigungswirkung“.

  • 1926 – 1933 Große Talsperrenbauten

    1926 begann bei Sundern der Bau der Sorpetalsperre – zeitweise die größte Baustelle Europas. 1929 wurde der Hengsteysee, der die Fließgeschwindigkeit der Ruhr erheblich verringerte, als erste Flußkläranlage offiziell eröffnet. Durch die Differenz des Wasserspiegels im Stausee und im Unterwasser entstand nutzbare Wasserkraft, außerdem entwickelte sich rund um den See ein beliebtes Freizeitgebiet. Weitere Bauten folgten: 1931 wurde der Harkortsee fertig gestellt, im Frühsommer 1933 wurde nach nur zwei Jahren Bauzeit der Baldeneysee eingestaut.

  • 1933 – 1945 In Diktatur und Krieg

    Unter dem nationalsozialistischen Regime veränderten sich die Anforderungen grundlegend. Dr. Karl Imhoff, der langjährige Geschäftsführer des Ruhrverbands, wurde 1934 entlassen. Die Bauarbeiten gingen weiter: Ende 1934 wurde die Sorpetalsperre eingestaut. Mitten in den Bau der Versetalsperre fiel 1939 der Kriegsbeginn. Um das Projekt abzuschließen, wurden dort ab 1940 Häftlinge eines „Arbeitserziehungslagers“ eingesetzt. Ein Angriff britischer Bomber beschädigte 1943 die Möhnetalsperre schwer, die ausströmende Flutwelle forderte rund 1.600 Menschenleben. Bei Kriegsende 1945 waren viele Anlagen beschädigt oder zerstört und mussten schnellstmöglich wieder instandgesetzt werden.

  • 1945 – 1952 Wiederaufbau und
    neue Großprojekte

    Nach dem Krieg herrschte Notstandsverwaltung; die Verbände erhielten erst 1947 ihre Selbstverwaltung zurück. Als die Wirtschaft wieder in Gang kam, nahm auch die Verschmutzung der Ruhr bedenkliche Ausmaße an. 1950 begannen 200 Beschäftigte im Ruhrhaus mit der regulären Arbeit und planten ein umfangreiches Bauprogramm: Zu den vorhandenen 77 Kläranlagen sollten 35 hinzukommen. 1952 ging nach fast 15 Jahren Bauzeit die Versetalsperre in Betrieb und brachte Entlastung für die Ruhr.

  • 1952 – 1965 Herausforderungen des „Wirtschaftswunders“

    Das Ruhrgebiet erlebte eine zweite große Blütezeit, der Wasserbedarf stieg enorm. Zur Finanzierung der seit Langem geplanten Biggetalsperre wurde seit 1956 der „Biggepfennig“ erhoben. Neben der steigenden Industrieproduktion verschärfte vor allem der zunehmende Einsatz von Waschmaschinen und tensidhaltigen Waschmitteln die Verschmutzung der Ruhr und ihrer Nebenflüsse. Meterhohe Schaumberge alarmierten zu Beginn der 1960er Jahre die Menschen im Ruhreinzugsgebiet. 1965 wurde die Biggetalsperre eingestaut – die größte Talsperre des Ruhrverbands und bis heute die fünftgrößte Talsperre in Deutschland.

  • 1966 – 1971 Umweltschutz als neue Aufgabe

    Der Ruhrverband baute Kläranlagen aus und errichtete neue, denn die Wasserqualität war an vielen Stellen unbefriedigend. Auf den Stauseen bildeten sich durch die Belastung mit Phosphor und Stickstoff Algen, es kam zu Problemen bei der Trinkwasseraufbereitung und immer wieder zu Fischsterben. Gleichzeitig sehnten sich viele Menschen nach einer intakten Natur und suchten in den Wäldern oder an den Talsperren Entspannung. Die Verbände berücksichtigten den Freizeitwert der Anlagen inzwischen ebenso wie den Umweltschutz und den schonenden Umgang mit Ressourcen.

  • 1972 – 1989 Modernisierung und Rückschläge

    1972 startete der Ruhrverband ein umfangreiches Programm zur Modernisierung seiner Kläranlagen. Der Ruhrgütebericht erschien erstmals 1973 und informiert seither jährlich über den Zustand der Ruhr. 1979 vollendete der Kemnader See die Seenkette in der Ruhr. Inzwischen waren rund 90 Prozent der Bevölkerung im Ruhreinzugsgebiet an das Kläranlagensystem angeschlossen. 1984 scheiterte der geplante Bau einer Talsperre im Negertal am Widerstand aus der Bevölkerung. Als Ruhrverband und Ruhrtalsperrenverein 1988 ihr 75-jähriges Bestehen als öffentlich-rechtliche Köperschaften feierten, betrieben sie mehr als 100 Kläranlagen, sieben Talsperren und fünf Stauseen.

  • 1990 – 1999 Vereinigung zum Ruhrverband

    Das Ruhrverbands-Gesetz von 1990 vereinigte den Ruhrverband und den Ruhrtalsperrenverein zu einer Körperschaft des öffentlichen Rechts. Ein großes, 1990 aufgrund der Neufassung der kommunalen Abwasserverordnung gestartetes Investitionsprogramm verbesserte die Qualität der Kläranlagen. Die Aktivitäten wurden breiter: In den 1990er Jahren empfing der Ruhrverband jährlich knapp 20.000 in- und ausländische Gäste und beteiligte sich intensiv am fachlichen Austausch. Im September 1994 wurde das neue Verwaltungsgebäude in Essen bezogen. 1995 wurde die Ruhr-Wasserwirtschafts-GmbH (RWG) als 100-prozentige Tochter des Ruhrverbands gegründet.

  • 2000 – 2005 Investitionen für die Zukunft

    Die von der EU im Jahr 2000 eingeführte Wasserrahmenrichtlinie setzte sich zum Ziel, Gewässer innerhalb von 15 Jahren in einen guten ökologischen und chemischen Zustand zu versetzen. Mit dem Neubau der Kläranlage Essen-Süd endete 2005 das umfangreiche Investitionsprogramm. Seit 1990 waren rund 1,5 Milliarden Euro in die Modernisierung und den Neubau des Anlagenparks zur Abwasserbehandlung geflossen. Alle 73 Kläranlagen des Verbands erfüllten nun fristgerecht die gesetzlichen Anforderungen an Stickstoff- und Phosphorelimination.

  • 2006 – 2009 Nachhaltiges Wassermanagement

    Mit der Integralen Entwässerungsplanung (IEP) betrieb der Ruhrverband seit 2006 ein ehrgeiziges Programm, um seine Aufgaben weiter effizient und kostengünstig zu erfüllen. Erhöhte Konzentrationen perfluorierter organischer Tenside (PFT) in der Möhnetalsperre sowie in einigen Nebenflüssen der Ruhr lösten 2006 ein großes Medienecho aus. Beruhigend fielen die Ergebnisse eines groß angelegten Forschungsprogramms zu den Auswirkungen des globalen Klimawandels aus: Auch im ungünstigsten Fall liegt die Versorgungssicherheit im Jahre 2100 laut einer Simulationsberechnung noch bei 99,5 Prozent.

  • 2010 – 2013 Zukunftsthemen

    Forschung gewann an Bedeutung: Der Ruhrverband untersuchte die Elimination von Mikroverunreinigungen ebenso wie die Auswirkungen des demografische Wandels. Er bemüht sich um eine tragfähige Verteilung der Kosten für die wasserwirtschaftliche Infrastruktur und gestaltet die Energiewende durch den Ausbau seiner Energieerzeugungskapazitäten aktiv mit – auch dies sind zentrale Zukunftsthemen. Die Sicherung der Wasserversorgung und die Verbesserung der Wassergüte als Kernaufgaben des Ruhrverbands veränderten sich nicht. Sie trotz aller Wandlungsprozesse als überkommunale genossenschaftliche Organisation zu erfüllen, ist die große Herausforderung für die Zukunft.

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