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Abfallbilanz 2008

Abfallbilanz 2008 gemäß § 5c LabfG

1 Einleitung
Die Abfallbilanz beinhaltet Art, Menge und Verbleib der angefallenen und entsorgten Abfälle einschließlich deren Verwertung. Sie muss jährlich für das vorangegangene Jahr erstellt und in geeigneter Weise der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Sie ist auf Verlangen den zuständigen Abfallwirtschaftsbehörden vorzulegen. Soweit Abfälle nicht verwertet werden, ist dies zu begründen.

Laut § 20 des Kreislaufwirtschaftsgesetzes und dem Abfallgesetz für das Land Nordrhein-Westfalen (§ 5c LAbfG) sind die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger zur Erstellung von Abfallbilanzen verpflichtet.

Der Ruhrverband ist gemäß § 5 Abs. 8 LAbfG als öffentlich-rechtlicher Entsorgungsträger für die Entsorgung der bei der Abwasserreinigung anfallenden Klärschlämme und sonstigen festen Stoffe zuständig. Er hat somit für diesen Bereich jedes Jahr eine Abfallbilanz zu erstellen. Diese wird hiermit für das Jahr 2008 vorgelegt.

In den Verbandsanlagen (Kläranlagen, Entwässerungsanlagen, Niederschlagswasserbehandlungsanlagen, Pumpwerke und Stauseen) fallen folgende vom Ruhrverband zu entsorgende Abfallarten an:

AbfallartAbfallschlüssel
Klärschlamm19 08 05
Rechengut19 08 01
Sandfanggut19 08 02
Treibgut, Mähgut19 09 01
Flusssedimente19 13 02

Die Angaben über Art, Menge und Verbleib der angefallenen und entsorgten Abfälle sind in der beiliegenden Abbildung Abfallbilanz 2008 (19 KB) dargestellt (Anlage 1).

Der Hauptanteil der zu entsorgenden Reststoffe fällt bei der Reinigung der den Ruhrverbandskläranlagen zugeleiteten Abwässer von Kommunen und Industrie an. Dazu zählt insbesondere Klärschlamm.

Der überwiegende Teil des Klärschlamms wird durch Faulung stabilisiert. Das dabei entstehende Faulgas wird in großen Teilen für Betriebszwecke, insbesondere das Aufwärmen des Rohschlamms für den Faulprozess, aber auch für die Heizung der Betriebsgebäude und zur Erzeugung elektrischer Energie bzw. von Druckluft für die Belebungsbecken eingesetzt. Damit wird der unter den jeweiligen anlagenspezifischen Randbedingungen wirtschaftlich nutzbare Energiegehalt der Klärschlämme verwertet.

2 Umrechnungsfaktoren

Die ATV-Arbeitsgruppe 3.11.2 nennt in ihrem Arbeitsbericht (siehe KA 11/96) mittlere Trockenrückstände (TR) für Rechen- und Sandfanggut. Demnach verfügt ungepresstes Rechengut über einen TR von 8 Prozent und entwässertes über einen TR von mindestens 25 Prozent, im Mittel 29 Prozent.

Die o. g. Werte gelten für "frisches" Rechengut. Vor der Entsorgung der Stoffe findet auf dem Förderband und im Rechengutcontainer noch eine "natürliche" Schwerkraftentwässerung statt. Daher wurde mit den betrieblichen Erfahrungswerten TR = 20 % für ungepresstes und TR = 40 % für gepresstes Rechengut gerechnet.

Für die vorliegende Bilanz wurde die Feuchtmasse Sandfanggut jeweils mit dem Mittelwert TR = 56 % in Trockenmasse umgerechnet (vgl. ATV-Arbeitsgruppe 3.11.2).

Die Berechnungen der spezifischen Massen für Rohschlamm, Sandfang- und Rechengut basieren auf dem Einwohnerwert EWBSB5 von 2.156.259 (BSB5-Mittelwerte, Einwohnerzahl 2.092.972, Stand 30.06.2008)

3 Klärschlamm (19 08 05)


3.1 Neuschlamm
Neuschlamm im Sinne dieser Abfallbilanz umfasst Schlamm aus laufendem Betrieb sowie aus regelmäßig betriebenen Schlammplätzen.

3.1.1 Rohschlamm
Insgesamt fielen im Jahre 2008 auf den Ruhrverbandskläranlagen 81.247 tTR Rohschlamm inklusive 4.805 tTR Co-Substrate an. 875 tTR Rohschlamm wurden zur Weiterbehandlung an eine nicht verbandseigene Kläranlage abgegeben und 597 tTR Rohschlamm direkt zur Zwischenlagerung auf Schlammplätze verbracht.

Tabelle 1: Rohschlammmengen*) der Jahre 2003 bis 2008 (Angaben in tTR)

Regionalbereich200320042005200620072008
Nord16.55815.79616.44416.07915.92315.866
Süd10.81710.6599.78610.85511.91111.594
Mitte19.43326.44219.72220.78221.71221.666
West29.05931.79330.42132.27830.79232.121
Summe75.86774.69076.37379.99480.33881.247

*) einschließlich aerob stabilisierter Schlämme, Co-Substrate und Wasserwerksschlamm

3.1.2 Stabilisierter Schlamm
77.307 tTR Rohschlamm wurden in Faulbehältern behandelt. Ein großer Teil der organischen Inhaltsstoffe wurde dabei in Faulgas umgewandelt bzw. hydrolysiert. Die Feststoffabnahme durch anaerobe Stabilisierung betrug ca. 44 Prozent. Insgesamt standen 46.022 tTR anaerob und aerob stabilisierter Klärschlamm inklusive angenommener Fremdschlamm zur Entsorgung an. Die Entwicklung der letzten Jahre ist in Abbildung 1 dargestellt.

Tabelle 2: Stabilisierte Schlammmengen (Angaben in tTR)

Regionalbereichnach anaerober Stabilisierung*)nach aerober Stabilisierung**)Annahme von stabilisiertem FremdschlammSumme
Nord8.6101.336309.976
Süd5.3961.32906.725
Mitte10.401135010.536
West18.5202501518.785
42.9273.0504546.022

*) einschließlich Rohschlamm zur Entwässerung**) einschließlich Schlamm aus Schönungsteichen

Abbildung 2 zeigt die Entwicklung der Neuschlammentsorgung seit 1998. Die Verbrennung ist seit 2003 der dominante Entsorgungsweg. Seit dem 31.05.2005 findet keine Deponierung und seit dem Jahr 2007 auch keine landwirtschaftliche Verwertung mehr statt, daher finden diese Entsorgungswege keine besondere Betrachtung mehr.

Abbildung 1: Klärschlammanfall nach Stabilisierung ohne Fremdschlamm

Einwohnerspezifisch entspricht dies einer Menge von 21,33 kg TR/EW/a im Bilanzjahr 2008 (2007: 22,26 kg TR/EW/a).

3.1.3 Entsorgungswege des Klärschlammes (19 08 05)

3.1.3.1 Übersicht
Im Jahr 2008 fielen insgesamt 46.022 tTR stabilisierter Klärschlamm inkl. Fremdschlamm an. Zusätzlich wurden 1.885 tTR aus Schlammplätzen entnommen. Gleichzeitig wurden 2.764 tTR zur Entwässerung auf Schlammplätzen zwischengelagert. Somit sind 45.143 tTR Neuschlamm endgültig entsorgt worden. Es wurden 875 tTR Rohschlamm an die Kläranlage der Papierfabrik Stora Enso Kabel GmbH & Co. KG abgegeben.

 

Abbildung 2: Entsorgungswege des Neuschlamms

3.1.3.2 Verbrennung
Insgesamt wurden 45.143 tTR Neuschlamm (43.258 tTR aus dem laufenden Betrieb sowie 1.885 tTR aus regelmäßig betriebenen Schlammplätzen) in Verbrennungsanlagen entsorgt.


Abbildung 3: Thermisch beseitigte Klärschlämme

Die Verbrennung von Neuschlamm hat in den Jahren 2001 bis 2006 in erheblichem Umfang zugenommen. Der Klärschlamm wurde 2008 in neun Anlagen thermisch behandelt, wobei die Anlagen EVONIK, Lippewerk und Recycling- und Verwertungs-GmbH (RVG) bzw. BAV Aufbereitung Herne GmbH (BAV) nur mit Trockengranulat aus Hattingen beliefert wurden. Eine weitere Anlage wurde zu Probezwecken einmalig mit Klärschlammtrockengranulat beschickt. Der größte Abnehmer ist die WFA Elverlingsen (WFAE), die 66 Prozent der RV-Klärschlämme in entwässerter Form entsorgt. Die restlichen Klärschlammmengen wurden an die SVA Buchenhofen (SVA B) abgegeben.

Tabelle 3: Verteilung des Klärschlamms auf verschiedene Verbrennungsanlagen in 2008 (Angaben in tTR)

RegionalbereichWFAESVABEVONIK
Herne/Lünen
LippewerkRVG bzw. BAV HerneEVONIK sonstigeSumme
Entwässerter KlärschlammTrockengranulat
Nord10.438----10.438
Süd5.358----5.358
Mitte8.6731.850----10.523
West6.42410.9081.6644923102618.824
Summe29.89212.7581.66449231026
42.6512.49245.143

3.1.3.3 Trocknung Hattingen
Insgesamt wurden 2.492 tTR Neuschlamm (2.409 tTR aus dem laufenden Betrieb sowie 83 tTR aus regelmäßig betriebenen Schlammplätzen) zur Trocknung in Hattingen angeliefert und anschließend verbrannt.

Abbildung 4: Annahme von Klärschlämmen in der Klärschlammtrocknung Hattingen

3.1.3.4 Zwischenlagerung in Schlammplätzen
Insgesamt wurden 2.764 tTR Neuschlamm in Schlammplätzen zur Entwässerung zwischengelagert und 1.885 tTR aus Vorjahren, die in Schlammplätzen zwischengelagert waren, endgültig entsorgt. Der Bestand in den Schlammplätzen hat sich damit 2008 um 879 tTR erhöht.

Tabelle 4: Zwischenlagerung von Neuschlamm auf Schlammplätzen (Angaben in tTR)

RegionalbereichEintrag SPAustrag SPDifferenz
Nord8471.309-462
Süd1.6673011.366
Mitte---
West250275-25
Summe2.7641.885879
Abbildung 5: Ein- und Austrag von Klärschlämmen auf den Schlammplätzen des RV seit 2003

3.1.3.5 Schlammabgabe an andere Kläranlagen
875 tTR Rohschlamm der Kläranlage Hagen-Boele wurden zur Weiterbehandlung an eine nicht verbandseigene Kläranlage (KA der Papierfabrik Stora Enso Kabel GmbH & Co. KG in Hagen) abgegeben.

3.2 Altschlamm
Altschlamm stammt aus Schlammplätzen, die in den letzten Jahren nicht regelmäßig oder vollständig geleert wurden (Altschlammplätze) sowie aus Deponien.

Deponien sind Abfallentsorgungsanlagen, in denen Abfälle zeitlich unbegrenzt abgelagert werden.

4 Sandfanggut (19 08 02)

Insgesamt fielen auf den Kläranlagen des Ruhrverbands 3.393 t (1.900 tTR) Sandfanggut (SFG) an. Die Verwertungsquote lag im Jahr 2008 bei 78 Prozent.

Die Entsorgung erfolgte über nachfolgend aufgezeigte Entsorgungswege.

Tabelle 5: Entsorgtes Sandfanggut (SFG) im Jahr 2008

EntsorgungswegSFG in t
Feuchtmasse
SFG in t
Trockenmasse
Anteil des SFG in % der Feuchtmasse
Fremddeponien74941922
Verwertung/Aufbereitung2.6431.48078
sonstige Entsorgung11~0
Summe3.3931.900100

Die in der Abbildung 6 dargestellte Mengenentwicklung zeigt einen deutlichen Rückgang der Sandfanggutmengen seit 1998. Einen wesentlichen Beitrag zu dieser Entwicklung leistet der vermehrte Einsatz von Sandwäschern. In den Vorjahren wurden 38 (2004) bis 66 Prozent (2002) der anfallenden Menge noch auf RV-Deponien abgelagert. Die Mengen wurden nicht gewogen, sondern geschätzt. Mit der Entsorgung über Fremdfirmen und der damit verbundenen Verwiegung ergab sich, dass die Sandfangmengen geringer sind als ursprünglich veranschlagt.

Abbildung 6: Sandfanggutentsorgung, Mengen, Entsorgungswege

Einwohnerspezifisch entspricht dies einer Menge von 1,57 kg FS/EW/a im Bilanzjahr 2008.

5 Rechengut (19 08 01)

Insgesamt fielen auf den Kläranlagen des Ruhrverbands 5.819 t (2.288 tTR) Rechengut (RG) an. Die Entsorgung erfolgte über nachfolgend aufgezeigte Entsorgungswege.

Tabelle 6: Entsorgtes Rechengut (RG)

EntsorgungswegRG in t
Feuchtmasse
RG in t
Trockenmasse
Anteil des SFG in % der Feuchtmasse
Verbrennung2.5531.01944
Kompostierung3.2301.26256
Sonstige367~0
Summe5.8192.288100

Die in der Abbildung 7 dargestellte Mengenentwicklung zeigt einen Rückgang des Rechenguts bis 2003. Einen wesentlichen Beitrag zu dieser Entwicklung leistet der vermehrte Einsatz von Rechengutpressen.

2008 wurde im Vergleich zu 2007 185 t Rechengut weniger entsorgt. 44 Prozent des gesamten Rechenguts wurden verbrannt, 56 Prozent kompostiert.

Abbildung 7: Rechengutentsorgung, Mengen, Entsorgungswege

Einwohnerspezifisch entspricht dies einer Menge von 2,64 kg FS/EW/a im Bilanzjahr 2008.

6 Flusssedimente (19 13 02)

2008 wurden Sedimentmengen von 761 t aus der Hennetalsperre entnommen und auf Deponien im Raum Meschede (Dep. Bonacker und Dep. Sauer & Sommer) entsorgt. Aus der Ennepetalsperre wurde eine Sedimentmenge von 25.407 t entfernt und auf der ruhrverbandseigenen Deponie in Griesenbrauck abgelagert.

7 Mäh- und Treibgut (19 09 01)

2008 fielen 5.324 m³ Elodea als Mähgut an. Es fielen 13.699 m³ Treibgut an den Stauseen und 3 m³ Treibgut an den Talsperren an.

Tabelle 7: Angefallenes Mäh- und Treibgut (Elodea)

AnfallstelleElodea-MähgutElodea-Treibgutsonstiges Treibgut
 [m3][m3][m3]
Hengsteysee--9.776
Harkortsee--3.920
Kemnader See*4.158--
Baldeneysee---
Kettwiger See*---
Hennetalsperre1.116 -
Sorpetalsperre---
Möhnetalsperre---
Verse-, Ennepe-, Fürwiggetalsperre---
Biggetalsperre--3
Summe5.324013.699

* Kein Treibgutanfall, da Überfallwehre vorhanden sind.

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