Abfallbilanz 2012

Abfallbilanz 2012 gemäß § 5c LabfG

1 Einleitung
Die Abfallbilanz beinhaltet Art, Menge und Verbleib der angefallenen und entsorgten Abfälle einschließlich deren Verwertung. Sie muss jährlich für das vorangegangene Jahr erstellt und in geeigneter Weise der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Sie ist auf Verlangen den zuständigen Abfallwirtschaftsbehörden vorzulegen. Soweit Abfälle nicht verwertet werden, ist dieses zu begründen.

Laut § 20 des Kreislaufwirtschaftsgesetzes und dem Abfallgesetz für das Land Nordrhein-Westfalen (§ 5c LAbfG) sind die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger zur Erstellung von Abfallbilanzen verpflichtet.

Der Ruhrverband ist gemäß § 5 Abs. 8 LAbfG der für die Entsorgung der bei der Abwasserreinigung anfallenden Klärschlämme und sonstigen festen Stoffe zuständige öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger und hat somit für diesen Bereich jedes Jahr eine Abfallbilanz zu erstellen. Diese wird hiermit für das Jahr 2012 vorgelegt.

In den Verbandsanlagen (Kläranlagen, Entwässerungsanlagen, Niederschlagswasser-behandlungsanlagen, Pumpwerke, Stauseen und Talsperren) fallen folgende, vom Ruhrverband zu entsorgende Abfallarten an:

AbfallartAbfallschlüssel
Klärschlamm19 08 05
Rechengut19 08 01

Sandfanggut

19 08 02
Elodea Treib- und Mähgut02 01 03

Treibgut

19 09 01
Flusssedimente19 13 02
Kanalspülgut19 08 01


Die Angaben über Art, Menge und Verbleib der angefallenen und entsorgten Abfälle sind in der beiliegenden Abbildung Abfallbilanz 2012 dargestellt (Anlage 1).

Der Hauptanteil der zu entsorgenden Reststoffe fällt bei der Reinigung der den Ruhrverbandskläranlagen zugeleiteten Abwässer von Kommunen und Industrie an. Dazu zählt insbesondere Klärschlamm.

Der überwiegende Teil des Klärschlamms wird durch Faulung stabilisiert. Das dabei entstehende Faulgas wird in großen Teilen für Betriebszwecke, insbesondere das Aufwärmen des Rohschlamms für den Faulprozess, aber auch für die Heizung der Betriebsgebäude und zur Erzeugung elektrischer Energie bzw. von Druckluft für die Belebungsbecken eingesetzt. Damit wird der unter den jeweiligen anlagenspezifischen Randbedingungen wirtschaftlich nutzbare Energiegehalt der Klärschlämme verwertet.


2 Umrechnungsfaktoren

Im Jahr 2012 wurden für 10 Kläranlagen des RV, auf denen 64 % des Rechenguts anfallen, Analysen durchgeführt. Der gewichtete Mittelwert für die Trockenmasse liegt bei 35,8 %. Das Rechengut der Kläranlage Hattingen (KA 445) weist einen Trockenrückstand von 62,9 % auf. Der sehr hohe Wert für den Trockenrückstand in Hattingen kommt durch die vor dem Rechengutwäscher eingesetzte Hochdruckpresse zustande.

Für die vorliegende Bilanz wurde die Feuchtmasse Sandfanggut jeweils mit dem Mittelwert TR = 56 % in Trockenmasse umgerechnet (vgl. ATV-Arbeitsgruppe 3.11.2).

Die Berechnungen der spezifischen Massen für Rohschlamm, Sandfang- und Rechengut basieren auf dem Einwohnerwert EWBSB5 von 2.393.349. Dieser Einwohnerwert wurde anhand der BSB5-Belastung der Kläranlagen als 85-Perzentilwert aus den 24-h-Mischproben der letzten drei Jahre ermittelt. In den Fällen, in denen die aus den Messwerten ermittelte Fracht kleiner als die Anzahl der angeschlossenen Einwohner war, wurde auf die letztgenannte Größe zurückgegriffen. Dabei wurden mangels Verfügbarkeit der aktuellen Einwohnerzahl die Vorjahreswerte herangezogen.

Tabelle 1: Entwicklung der mittleren Einwohnerwerte von 2005 - 2012

Jahr2005200620072008200920102011 2012
E2.129.1912.113.8352.136.1792.092.9712.078.0552.064.3962.014.9822.037.252
EGW703.419626.612617.533709.072729.733664.064493.388356.097
EW2.832.6102.740.4472.753.7122.802.0432.807.7882.728.4602.508.3702.393.349

 

Die Gesamtabnahme der Einwohnerwerte beträgt seit 2005 439.261 EW. Dies entspricht einer mittleren Abnahme von 62.752 EW pro Jahr.

3 Klärschlamm (19 08 05)

3.1 Neuschlamm

3.1.1 Übersicht

Neuschlamm im Sinne dieser Abfallbilanz umfasst Schlamm aus laufendem Betrieb sowie aus regelmäßig betriebenen Schlammplätzen.

Tabelle 2: Übersicht Neuschlammanfall 2006 – 2012

AbfallartEinheit200720082009201020112012Bemerkungen

Schlammanfall
stabilisiert

[tTR]45.09345.92642.64641.74040.74838.263

stabilisierter Klärschlamm ohne Fremdschlämme einschließlich Rohschlämme zur Entwässerung

davon Einbringung
in Zwischenlager
[tTR]1.5962.7642.3909931.4891.028
[t]116.079248.131148.66062.977117.99580.533
Rohschlamm extern
entsorgt
[tTR]623875575690627505KA Hagen-Boele zur Stora Enso Kabel
[t]41.24741.07141.96040.82740.94840.737
entwässerter KS zur
Verbrennung
[tTR]43.17642.64940.17541.12138.75438.499inkl. Entnahme Zwischenlager, inkl. Fremdschlamm
zur Entwässerung, ohne Trockengranulat, ohne
Altschlamm
[t]161.259157.560160.772158.427147.622149.372
getrockneter KS zur
Verbrennung
[tTR]2.2052.4922.412b2.0251.8510Die Trocknungsanlage wurde im
Dezember 2011 außer Betrieb genommen.
[t]2.4152.5242.5392.1321.9480

b mit 1.350 tTR Trockengranulat, das als Konditionierungsmittel in der WFA E mitverbrannt wurde

3.1.2 Rohschlamm

Insgesamt fielen im Jahre 2012 auf den Ruhrverbandskläranlagen 63.228 tTR Rohschlamm inklusive 2.019 tTR Co-Substrate und 3,5 tTR von einer ruhrverbandsfremden Kläranlage an. 505 tTR Rohschlamm wurden zur Weiterbehandlung an eine nicht verbandseigene Kläranlage abgegeben.

Tabelle 3:            Rohschlammmengen*) der Jahre 2007 – 2012 (Angaben in tTR)

Regionalbereich200720082009201020112012
Nord15.92315.86615.15014.87325.27622.995
Süd11.91111.59410.2169.21612.55911.705
Mitte21.71221.66619.04517.239--
West30.79232.12129.93731.70232.61328.528
Summe80.33881.24774.34873.03070.44863.228
davon Co-Substrate4.5744.8055.7915.7744.9172.019
Anteil in %5,69 %5,91 %7,79 %7,91 %6,98 %3,19 %

*) einschließlich aerob stabilisierter Schlämme und Fremdschlämme (z.B. Co-Substrate, Fäkal- und Deponieschlämme)

 

3.1.3 Stabilisierter Schlamm

61.216 tTR Rohschlamm wurden in RV-Faulbehältern behandelt. Die Feststoffabnahme durch anaerobe Stabilisierung betrug ca. 40 %. Insgesamt standen 36.758 tTR anaerob (inkl. 1,8 tTR Rohschlamm zur Entwässerung), 1.505 tTR aerob stabilisierter Klärschlamm und 231  tTR angenommener stabilisierter Fremdschlamm zur Entsorgung an. Die Entwicklung der letzten Jahre ist in Abbildung 2 dargestellt.

Tabelle 4: Stabilisierte Schlammmengen (Angaben in tTR)

Regionalbereichnach anaerober
Stabilisierung*)
nach aerober
Stabilisierung **)
Annahme von
stabilisierten
Fremdschlamm
Summe
Nord13.39164523114.267
Süd6.58361907.202
West16.784241017.025
Summe36.7581.50523138.494

*) einschließlich Rohschlamm zur Entwässerung

**) nur Schlamm, der nicht zur Weiterbehandlung im Faulbehälter an eine andere KA verbracht wurde; einschließlich Schlamm aus Schönungsteichen

Einwohnerspezifisch entspricht dies einer Menge von 15,99 kgTR/EW*a im Bilanzjahr 2012 (2011: 16,24 kgTR/EW*a)

 

3.1.4 Faulgas

Ein großer Teil der organischen Inhaltsstoffe aus dem Rohschlamm wird in Faulgas umgewandelt. 2012 entstanden 24.266.923 m³N Faulgas. Seit 2005 werden die dokumentierten Faulgasmengen gezielt geprüft und im Energiepass dokumentiert. Der Faulgasanfall der vergangenen Jahre ist in Abbildung 3 abgebildet.

3.1.5 Entsorgungswege des Klärschlammes

3.1.5.1 Übersicht

Im Jahr 2012 fielen insgesamt 38.494 tTR stabilisierter Klärschlamm inkl. Fremdschlamm an. Zusätzlich wurden 1.034 tTR aus Schlammplätzen entnommen. Gleichzeitig wurden 1.028 tTR zur Entwässerung auf Schlammplätzen zwischengelagert. Es wurden 505 tTR Rohschlamm an die Kläranlage der Papierfabrik Stora Enso Kabel GmbH & Co. KG abgegeben. Somit sind 38.499 tTR stabilisierter Neuschlamm endgültig entsorgt worden. Sämtliche Klärschlämme wurden in 2012 verbrannt. Die Verbrennung ist seit 2003 der dominante Entsorgungsweg. Seit dem 31.05.2005 findet keine Deponierung und seit dem Jahr 2007 auch keine landwirtschaftliche Verwertung mehr statt, daher finden diese Entsorgungswege keine besondere Betrachtung mehr.
 


3.1.5.2 Verbrennung

Insgesamt wurden 38.499 tTR Neuschlamm (37.466 tTR aus dem laufenden Betrieb sowie 1.034 tTR aus regelmäßig betriebenen Schlammplätzen) in Verbrennungsanlagen entsorgt.

Der Klärschlamm wurde in 2012 in fünf Anlagen thermisch behandelt. Der größte Abnehmer ist die WFA Elverlingsen (WFA E), die 71,5 % der RV-Klärschlämme in entwässerter Form entsorgt. Die restlichen entwässerten Klärschlammmengen wurden bis auf 907 tTR, die über die Firmen Betrem Emscherbrennstoffe GmbH und Remondis Aqua GmbH & Co. KG Verbrennungsanlagen und Kraftwerken zugeführt wurden, an die SVA Buchenhofen (SVA B) abgegeben.


Tabelle 5:            Verteilung des Klärschlamms auf verschiedene Verbrennungsanlagen in 2012

Region.-
bereich
WFA ESVA BBetremKraftw.
Frechen
Kraftw.
Berren-
rath
SummenSumme
Monoverbrennung          Mitverbrennung


Mono-
verbrennung
Mit-
Verbrennung
Gesamt
in tTR

Entwässerter Klärschlamm


Nord13.881193---14.074-14.074
Süd6.493-24066076.7336677.400
West7.1539.872---17.025-17.025
Summe27.52710.065240660737.83266738.499

 

3.1.5.3 Trocknung Hattingen

Die Trocknung Hattingen wurde im Dezember 2011 außer Betrieb genommen.

3.1.5.4 Zwischenlagerung in Schlammplätzen

Insgesamt wurden 1.028 tTR Neuschlamm in Schlammplätzen zur Entwässerung zwischengelagert und 1.034 tTR aus Vorjahren, die in Schlammplätzen zwischengelagert waren, endgültig entsorgt. Der Bestand in den Schlammplätzen hat sich damit in 2012 um 6 tTR verringert. 

Tabelle 6:             Zwischenlagerung von Neuschlamm auf Schlammplätzen (Angaben in tTR)

RegionalbereichEintrag SPAustrag SPDifferenz
Nord264-71193
Süd764-963-199
West---
Summe1.028-1.034

-6

 Die Bilanzsumme seit 2003 beträgt 1.529tTR.

3.1.5.5 Schlamabgabe an andere Kläranlagen

505 tTR Rohschlamm der KA Hagen-Boele wurden zur Weiterbehandlung an eine nicht verbandseigene Kläranlage (KA der Papierfabrik Stora Enso Kabel GmbH & Co. KG in Hagen) abgegeben. Die Entsorgung dieses Klärschlammes erfolgt gemeinsam mit dem Klärschlamm aus dem Werksabwasser und teilt sich in drei Entsorgungswege auf:

- Mitverbrennung

·         zur AVR in Duiven, Holland,

·         zur RWE Power AG im Kraftwerk Frimmersdorf,

·         zur Wienerberger GmbH, Buldern (Ziegelherstellung).

 

3.2 Altschlamm und Entsorgungswege

Altschlamm beschreibt Klärschlamm, der in der Vergangenheit in Deponien und in Schlammplätzen, deren Betrieb durch keine regelmäßigen oder vollständigen Leerungen gekennzeichnet war (sog. Altschlammplätze), abgelagert worden ist.Deponien sind abfallrechtlich zugelassene Abfallentsorgungsanlagen, in denen Abfälle zeitlich unbegrenzt oberirdisch abgelagert werden.Altschlammplätze sind Klärschlammablagerungen, die nicht als Deponien nach Abfallrecht zugelassen sind. In 2012 wurde aus der Deponie Fredeburg 1.479 t (1.059 tTR) zur WFA E und aus dem Schlammplatz Galp 3.123 t (858 tTR) zur SVA B verbracht.

4 Sandfanggut (19 08 02)

Insgesamt fielen auf den Kläranlagen des Ruhrverbands 3.429 t (1.920 ttr) Sandfanggut (SFG) an. Einwohnerspezifisch entspricht dies einer Menge von 1,43 kg/EW*a bzw. 0,80 kgTR/EW*a. Die Verwertungsquote lag bei 66 %, 34 % wurden in der Müllverbrennungsanlage Hagen beseitigt. Die Entsorgung erfolgte über nachfolgend aufgezeigte Entsorgungswege.

Tabelle 7:             Entsorgtes Sandfanggut (SFG) im Jahr 2012

SFG in
t Feuchtmasse
SFG in
t Trockenmasse
Anteil des SFG in %
der Feuchtmasse

Verwertung/
Aufbereitung

2.2551.26366
Verbrennung1.17465734
Summe3.4291.920

100

Die in der Abbildung 7 dargestellte Mengenentwicklung zeigt einen deutlichen Rückgang der Sandfanggutmengen seit 2003. Einen wesentlichen Beitrag zu dieser Entwicklung leistet der vermehrte Einsatz von Sandwäschern. In den Vorjahren wurden 38 % (2004) bis 66 % (2002) der anfallenden Menge noch auf RV-Deponien abgelagert. Die Mengen wurden nicht gewogen sondern z. T. geschätzt. Mit der Entsorgung über Fremdfirmen und der damit verbundenden Verwiegung ergab sich, dass die Sandfangmengen geringer sind als ursprünglich veranschlagt.
Seit 2007 liegt das Mengenniveau relativ konstant bei rund 3.500 t/a.

5 Rechengut (19 08 01)

Insgesamt fielen auf den Kläranlagen des Ruhrverbands 5.064 t (1.848 tTR) Rechengut (RG) an. Einwohnerspezifisch entspricht dies einer Menge von 2,12 kg/EW*a bzw. 0,77  kgTR/EW*a. Die Entsorgung erfolgte über nachfolgend aufgezeigte Entsorgungswege.

Tabelle 8:             Entsorgtes Rechengut (RG)

RG in t FeuchtmasseRG in t TrockenmasseAnteil des RG in % der Feuchtmasse
Verbrennung5.0641.848100
Summe5.0641.848100




100 % des gesamten Rechengutes wurden verbrannt.

6 Flusssedimente (19 13 02)

In 2011 sind keine Sedimente angefallen.  

7 Mäh- und Treibgut (19 09 01)

In 2012 fielen am Kemnader See 239 t Elodea-Mähgut an. In 2012 fiel Elodea nicht als Treibgut an.

8 Sonstiges Treibgut (19 09 01)

In 2012 ist sonstiges Treibgut mit einer Menge von 7.013m3 angefallen.

 

Treibgut

Anfallstellesonstiges Treibgut

Bemerkungen
[m³][t]
Baldeneysee34,9*15,6verwogen
Möhnetalsperre1,5*0,79verwogen
Biggetalsperre0,27*0,16verwogen
Hengsteysee2.6522.122*entsorgt über
Kompostanlage
Hagen


Harkortsee3.1802.544*
Stiftsmühle1.144915*
Summe7.0135.598

 

 * Die angegebenen Mengen wurden mit Hilfe der Angaben der Seite https://www.Statistik.bayern.de/erhebungen/00067.php umgerechnet.

 

9    Abfälle aus dem Kanalbetrieb

Seit dem Jahr 2008 betreut der Ruhrverband den Kanalbetrieb der Stadt Meschede und seit 2011 den Kanalbetrieb der Stadt Schmallenberg. Der Ruhrverband ist damit auch bilanzierungspflichtig für die dort anfallenden Abfälle.

•    Stadt Meschede

Tabelle 10:     Angefallene Abfälle aus dem Kanalbetrieb Meschede

 

JahrSpülgutStraßen-
kehrschicht
Räumgut /
Boden
Sedimentations-
rückstände
Teerhaltiges
Bitumengemisch
Summen
AVV19 08 0120 03 0317 05 0419 08 0117 03 01
200841,0972---113,09
200932,86722825,16-158,02
201016,772---88,7
201168,0472-25,76,96172,7
201223,9272---95,92
Summe182,613602850,866,96628,43
  •  Stadt Schmallenber

Im Kanalbetrieb der Stadt Schmallenberg sind im Jahr 2012 41,72 t Spülgut (19 08 01) angefallen.