Abfallbilanz 2004 gemäß § 5c LAbfG
Die Abfallbilanz beinhaltet Art, Menge und Verbleib der angefallenen und entsorgten Abfälle einschließlich deren Verwertung. Sie muss jährlich für das vorangegangene Jahr erstellt und in geeigneter Weise der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Sie ist auf Verlangen den zuständigen Abfallwirtschaftsbehörden vorzulegen. Soweit Abfälle nicht verwertet werden, ist dieses zu begründen.
Laut § 20 des Kreislaufwirtschaftsgesetzes und dem Abfallgesetz für das Land Nordrhein-Westfalen (§ 5c LAbfG) sind die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger zur Erstellung von Abfallbilanzen verpflichtet.
Der Ruhrverband ist gemäß § 5 Abs. 8 LAbfG der für die Entsorgung der bei der Abwasserreinigung anfallenden Klärschlämme und sonstigen festen Stoffe zuständige öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger und hat somit für diesen Bereich jedes Jahr eine Abfallbilanz zu erstellen. Diese wird hiermit für das Jahr 2004 vorgelegt.
In den Verbandsanlagen (Kläranlagen, Entwässerungs- und Entgiftungsanlagen, Niederschlagswasserbehandlungsanlagen, Pumpwerke und Stauseen) fallen folgende, vom Ruhrverband zu entsorgende Abfallarten
| Abfallart | Abfallschlüssel |
|---|---|
| Klärschlamm | 19 08 05 |
| Rechengut | 19 08 01 |
| Sandfanggut | 19 08 02 |
| Treibgut, Mähgut | 19 09 01 |
| Flusssedimente | 19 13 02 |
Im Rahmen dieser Auswertung werden zudem die Metallhydroxidschlämme der ZEA Iserlohn bilanziert.
Die Angaben über Art, Menge und Verbleib der angefallenen und entsorgten Abfälle sind in der beiliegenden Abbildung Abfallbilanz 2004 (135 KB) dargestellt.
Der Hauptanteil der zu entsorgenden Reststoffe fällt bei der Reinigung der den Ruhrverbandskläranlagen zugeleiteten Abwässer von Kommunen und Industrie an. Dazu zählt insbesondere Klärschlamm.
Der überwiegende Teil des Klärschlamms wird durch Faulung stabilisiert. Das dabei entstehende Faulgas wird in großen Teilen für Betriebszwecke, insbesondere das Aufwärmen des Rohschlamms für den Faulprozess, aber auch für die Heizung der Betriebsgebäude und auf den Kläranlagen Arnsberg-Wildshausen, Iserlohn-Letmathe, Schwerte, Iserlohn-Baarbachtal, Gevelsberg, Hagen, Hattingen, Bochum-Ölbachtal, KSB Langenbrahm und Duisburg-Kaßlerfeld zur Erzeugung elektrischer Energie bzw. von Druckluft für die Belebungsbecken verwertet. Damit wird der unter den jeweiligen anlagenspezifischen Randbedingungen wirtschaftlich nutzbare Energiegehalt der Klärschlämme verwertet.
Umrechnungsfaktoren
Die ATV-Arbeitsgruppe 3.11.2 nennt in ihrem Arbeitsbericht (siehe KA 11/96) mittlere Trockenrückstände (TR) für Rechen- und Sandfanggut. Demnach verfügt ungepresstes Rechengut über einen TR von 8 Prozent und entwässertes über einen TR von mindestens 25 Prozent, im Mittel 29 Prozent.
Die o. g. Werte gelten offensichtlich für "frisches" Rechengut. Vor der Entsorgung der Stoffe findet auf dem Förderband und im Rechengutcontainer noch eine "natürliche" Schwerkraftentwässerung statt. Daher wurde, wie schon bei den vergangenen Abfallbilanzen, mit etwas höheren Feststoffgehalten von TR = 20 Prozent für ungepresstes und TR = 40 Prozent für gepresstes Rechengut gerechnet.
Für die vorliegende Bilanz wurde die Feuchtmasse Sandfanggut jeweils mit dem Mittelwert TR = 56 Prozent in Trockenmasse umgerechnet (vgl. ATV-Arbeitsgruppe 3.11.2).
Klärschlamm (19 08 05)
Neuschlamm
Neuschlamm im Sinne dieser Abfallbilanz umfasst Schlamm aus laufendem Betrieb sowie Schlamm aus Vorjahren aus regelmäßig betriebenen Schlammplätzen.
Rohschlamm
Insgesamt fielen im Jahre 2004 auf den Ruhrverbandskläranlagen 84.690 tTR Rohschlamm an. Davon wurden 613 tTR zur Weiterbehandlung an eine nicht verbandseigene Kläranlage abgegeben und 364 tTR direkt zur Zwischenlagerung auf Schlammplätze verbracht.
Tabelle 1: Rohschlammmengen
| Herkunft | ehemals | Schlammmengen im Jahr 2004 vor Stabilisierung*) in tTR |
|---|---|---|
| Regionalbereich Nord | Abteilung Arnsberg | 15.796 |
| Regionalbereich Süd | Abteilung Plettenberg | 10.659 |
| Regionalbereich Mitte | Abteilung Hagen | 16.232 |
| Regionalbereich West | Abteilung Essen/Witten | 11.077 |
| Regionalbereich West | Abteilung Essen/Duisburg | 20.716 |
| Summe | 74.480 |
*) einschließlich aerob stabilisierter Schlämme
Stabilisierter Schlamm
70.226 tTR wurden in Faulbehältern stabilisiert. Ein großer Teil der organischen Inhaltsstoffe wurde dabei in Faulgas umgewandelt bzw. hydrolysiert. Die Feststoffabnahme durch anaerobe Stabilisierung betrug ca. 38 Prozent. Insgesamt standen 47.208 tTR (einschließlich 364 tTR, die direkt als Rohschlamm auf einen Schlammplatz verbracht wurden) zur Entsorgung an.
Tabelle 2: Stabilisierte Schlammmengen
| Herkunft | ehemals | nach anaerober Stabilisierung in tTR | nach aerober Stabilisierung*) in tTR | Summe in tTR |
|---|---|---|---|---|
| Regionalbereich Nord | Abteilung Arnsberg | 9.146**) | 1.169 | 10.315 |
| Regionalbereich Süd | Abteilung Plettenberg | 6.167 | 1.249 | 7.416 |
| Regionalbereich Mitte | Abteilung Hagen | 9.873 | 156 | 10.029 |
| Regionalbereich West | Abteilung Essen/Witten | 6.747 | 191 | 6.938 |
| Regionalbereich West | Abteilung Essen/Duisburg | 11.998 | 512 | 12.510 |
| Summe | 43.931 | 3.277 | 47.208 |
*) einschließlich Schlamm aus Schönungsteichen
**) einschließlich 364 tTR, die als Rohschlamm auf einem Schlammplatz zwischengelagert werden
Die Entwicklung der letzten Jahre ist in Abbildung 1 dargestellt.
Mit Bezug auf die Einwohnerwerte des Jahres 2003 (in Summe 2.691.107 EW) ergibt sich ein einwohnerspezifischer Schlammanfall von 17,54 kg TR pro Einwohner und Jahr.
Schlamm aus Vorjahren
Tabelle 3: Neuschlamm aus regelmäßig bewirtschafteten Schlammplätzen
| Herkunft | ehemals | Neuschlamm aus regelmäßig bewirtschafteten Schlammplätzen in tTR |
|---|---|---|
| Regionalbereich Nord | Abteilung Arnsberg | 1.590 |
| Regionalbereich Süd | Abteilung Plettenberg | 422 |
| Regionalbereich Mitte | Abteilung Hagen | - |
| Regionalbereich West | Abteilung Essen/witten | 466 |
| Regionalbereich West | Abteilung Essen/Duisburg | 20 |
| Summe | 2.498 |
Entsorgungswege des Klärschlammes (19 08 05)
Übersicht
Im Jahr 2004 fielen insgesamt 47.208 tTR stabilisierter Klärschlamm an. Zusätzlich wurden 2.498 tTR aus Schlammplätzen entnommen. Gleichzeitig wurden 6.301 tTR zur Entwässerung auf Schlammplätzen zwischengelagert und es wurden 613 tTR Rohschlamm an eine Fremdkläranlage abgegeben. Somit sind 44.018 tTR Neuschlamm endgültig entsorgt worden.
In der Anlage 2 sind die Entsorgungswege des stabilisierten Klärschlammes für das Jahr 2004 je Abteilung dargestellt. Außer für den Regionalbereich West sind der Übersichtlichkeit halber nur die Entsorgungswege des Neuschlammes aus dem laufenden Betrieb abgebildet. Ferner wurden die Rohschlammwege von kleineren zu den mitbehandelnden größeren Kläranlagen außer Acht gelassen.
Abbildung 2 zeigt die Entwicklung der Neuschlammentsorgung seit 1998.
Schlammabgabe an andere Kläranlagen
613 tTR Rohschlamm wurden zur Weiterbehandlung an eine nicht verbandseigene Kläranlage abgegeben.
Zwischenlagerung in Schlammplätzen
Insgesamt wurden 6.301 tTR Neuschlamm auf Schlammplätzen zwischengelagert.
Tabelle 4: Zwischenlagerung von Neuschlamm auf Schlammplätzen
| Herkunft | ehemals | Lagerung auf SP in tTR |
|---|---|---|
| Regionalbereich Nord | Abteilung Arnsberg | 3.362 |
| Regionalbereich Süd | Abteilung Plettenberg | 1.555 |
| Regionalbereich Mitte | Abteilung Hagen | - |
| Regionalbereich West | Abteilung Essen/Witten | 856 |
| Regionalbereich West | Abteilung Essen/Duisburg | 528 |
| Summe | 6.301 |
Ablagerung auf RV-Deponien
Insgesamt wurden 1.383 tTR Neuschlamm (1.363 tTR aus dem laufenden Betrieb sowie 20 tTR aus regelmäßig betriebenen Schlammplätzen) auf eigene Monodeponien verbracht. Der drastische Rückgang der Deponierung lässt sich durch eine frühzeitige Umstellung des Entsorgungsweges im Hinblick auf die Umsetzung der TASI erklären. Hiernach darf ab dem 01.06.2005 kein Material mehr auf Deponien abgelagert werden, dessen Organikanteil größer als 3 bzw. 5 Prozent ist.
Aus Abbildung 4 ist zu erkennen, dass die Verbrennung von Neuschlamm seit 2001 in erheblichem Umfang stetig zugenommen hat. Eine Begründung hierfür ist der Rückgang bzw. Wegfall der Entsorgungswege Deponierung und Landwirtschaft.
Tabelle 5: Verteilung des Klärschlamms auf verschiedene Verbrennungsanlagen im Jahr 2004
| Herkunft | ehemals | WFAE | SVAB | Lippewerk | Innovatherm | Sonstige | Summe |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Regionalbereich Nord | Abteilung Arnsberg | 7.625 | 463 | - | - | - | 8.088 |
| Regionalbereich Süd | Abteilung Plettenberg | 5.925 | 358 | - | - | - | 6.283 |
| Regionalbereich Mitte | Abteilung Hagen | 7.902 | 1.642 | - | - | - | 9.544 |
| Regionalbereich West | Abteilung Essen/Witten | 4.047 | 0 | 2.607 | 303 | 64 | 7.021 |
| Regionalbereich West | Abteilung Essen/Duisburg | 495 | 10.106 | - | - | - | 10.601 |
| Gesamt | 25.994 | 12.569 | 2607 | 303 | 64 | 41.537 |
Landwirtschaftliche Verwertung
Im Jahr 2004 wurden insgesamt 455 tTR Neuschlamm aus regelmäßig betriebenen Schlammplätzen sowie 98,2 tTR von in Vorjahren an Fremdverwerter abgegebene Klärschlämme landwirtschaftlich verwertet.
Der landwirtschaftlichen Verwertung des Klärschlamms sind durch den Mangel an nahegelegenen geeigneten landwirtschaftlichen Flächen, besonders im Ballungsraum der Ruhrgroßstädte, aber auch in den Hochlagen des Sauerlandes, Grenzen gesetzt. Hinzu kommt, dass sich ein Teil der Klärschlämme wegen ihres Gehalts an Schadstoffen aus gewerblichen Abwässern nicht für die Verwertung in der Landwirtschaft eignet. Diese Schlämme können in der Regel auch nicht bei Rekultivierungsmaßnahmen verwendet werden, da dort in etwa die gleichen Qualitätsmaßstäbe angelegt werden.
In Abbildung 5 ist eine deutliche Abnahme der landwirtschaftlichen Verwertung seit 2000 zu erkennen.
Trocknung Hattingen
Insgesamt wurden 3.703 tTR Neuschlamm (3.237 tTR aus dem laufenden Betrieb sowie 466 tTR aus regelmäßig betriebenen Schlammplätzen) zur Trocknung in Hattingen angeliefert. Hiervon gingen 699 tTR in die Zwischenlagerung. Von den 3.004 tTR, die getrocknet wurden, gingen 2.974 tTR in die Verbrennung und 30 tTR wurden zu Versuchszwecken eingesetzt.
Sandfanggut (19 08 02)
Insgesamt fielen auf den Reinhalteanlagen des Ruhrverbands 4.312 t (2.415 tTR) Sandfanggut (SFG) an. Die Verwertungsquote lag im Jahr 2004 bei 40 Prozent. Die Entsorgung erfolgte über nachfolgend aufgezeigte Entsorgungswege.
Tabelle 6: Entsorgtes Sandfanggut (SF)
| SFG in t Feuchtmasse | SFG in tTR | Anteil des SFG in % der Feuchtmasse | |
|---|---|---|---|
| RV-Deponien | 1.634 | 915 | 37,9 |
| Fremddeponien | 927 | 519 | 21,5 |
| Verwertung/Aufbereitung | 1.672 | 936 | 38,8 |
| Zwischenlagerung | 70 | 39 | 1,6 |
| sonstige Entsorgung | 9 | 5 | 0,2 |
| Summe | 4.312 | 2.415 | 100 |
Die in der Abbildung 7 dargestellte Mengenentwicklung zeigt einen deutlichen Rückgang der Sandfanggutmengen. Einen wesentlichen Beitrag zu dieser Entwicklung leistet der vermehrte Einsatz von Sandwäschern, die zudem unabdingbare Voraussetzung für die Verwertung sind.
Mit Bezug auf die Einwohnerwerte des Jahres 2003 (in Summe 2.691.107 EW) ergibt sich ein einwohnerspezifischer Sandfanggutanfall von 1,6 kg Feuchtmasse pro Einwohner und Jahr.
Rechengut (19 08 01)
Insgesamt fielen auf den Reinhalteanlagen des Ruhrverbands 5.830 t (2.041 tTR) Rechengut (RG) an. Die Entsorgung erfolgte über nachfolgend aufgezeigte Entsorgungswege.
Tabelle 7: Entsorgtes Rechengut (RG)
| RG in t Feuchtmasse | RG in tTR | Anteil des RG in % der Feuchtmasse | |
|---|---|---|---|
| Fremddeponien | 1.606 | 631 | 27,6 |
| Verbrennung | 4.199 | 1.404 | 72,0 |
| sonstige Entsorgung | 25 | 7 | 0,4 |
| Summe | 5.830 | 2.041 | 100 |
Die in der Abbildung 8 dargestellte Mengenentwicklung zeigt insgesamt einen Rückgang der Rechengutrückstände. Einen wesentlichen Beitrag zu dieser Entwicklung leistet der vermehrte Einsatz von Rechengutpressen.
Mit Bezug auf die Einwohnerwerte des Jahres 2003 (in Summe 2.691.107 EW) ergibt sich ein einwohnerspezifischer Schlammanfall von 2,2 kg Feuchtmasse pro Einwohner und Jahr.
Flusssedimente (19 13 02)
Die Sedimentbaggerung am Harkortsee wurde im Frühjahr 2003 beendet, sodass in 2004 keine Sedimente in den Spülfeldern eingelagert wurden.
Treib- und Mähgut (19 09 01)
Am Kemnader-, Hengstey- und Harkortsee fielen insgesamt 11.364 m³ Treib- und Mähgut an. Treib- und Mähgut wurden einer verbandseigenen Kompostierungsanlage zugeführt. Der Kompost wird überwiegend auf Anlagen und Baustellen des Ruhrverbands eingesetzt.